noch immer die Geschichte mit dem Brief nach,« fing er an; »können es nicht verzeihen, dass ich mich in Ihr Geheimnis eingeschlichen habe. Was ich Ihnen zum Ausgleich gegeben, das ahnen Sie nicht. Dass ich mein Innerstes vor Ihnen aufgerissen habe, daran verschwenden Sie keinen Gedanken. Es ist Ihnen wohl kaum klar geworden, dass alles, was ich Ihnen über Christian Wahnschaffe schrieb, Konfessionen über mich waren, wie sie selten ein Mensch dem andern macht. Auf Umwegen allerdings, aber was wissen Sie vom Umweg. Ich habe wahrscheinlich Ihre Fassungskraft und Ihren guten Willen überschätzt.« »Wahrscheinlich,« gab Johanna zurück; »aber auch meine Gutmütigkeit; denn Sie sind wieder einmal hervorragend grob. Sie hätten ja recht mit dem, was Sie sagen, wenn Sie nicht eines außer acht ließ, nämlich, dass eine Basis von Sympatie da sein muss, wenn solche Forderungen erfüllt werden sollen.« »Sympatie!« höhnte Voss; »damit locken Sie keinen Hund vom Ofen. Was Sie so heißen, ist bürgerliches Spülwasser. Lau, flau, grau. Zur echten wieder gehört so viel Aufmerksamkeit des Herzens, dass der, der sie empfindet, ihren Namen verschweigt, weil er zu gemein geworden ist. Ich habe ja nicht auf Sympatie gerechnet. Eine solche Distanz wie die von mir zu Ihnen lässt sich nicht durch ein Allerweltsbindemittel beseitigen. Ihre Kälte, Ihre Fremdheit, Ihre Ironie, glauben Sie, ich hätte nichts davon gewittert? Glauben Sie, ich bin der Dickhäuter, der unbekümmert in eine Rosenhecke hineinsteigt, weil er im voraus weiß, dass ihm die Stacheln nichts anhaben können? O nein, Fräulein. Jeder einzelne Dorn rjetzt meine Haut. Ich sage Ihnen das nur, damit Sie künftig wissen, was Sie tun. Jeder einzelne Dorn rjetzt schmerzhaft die Haut. Es war mir von Anfang an klar, und ich habe es doch auf mich genommen. Ich habe mich eingesetzt mit allem, so wie ich hier bin und stehe, habe mich zusammengerafft von oben bis unten und mich hingeworfen vor Sie, ohne zu überlegen, was daraus entstehen würde. Ich wollte mich einmal dem Fatum ganz und gar in die Hände geben.« »Ich muss umkehren,« sagte Johanna und klappte ihren Schirm zu, »ich muss einen Wagen nehmen. Wo sind wir denn?« »Ansbacher Straße, Ecke Augsburger Straße. Im dritten Hause dort, dritten Stock, wohne ich. Kommen Sie für eine Stunde zu mir. Lassen Sie es ein Zeichen sein, dass ich ein gleichgestellter Mensch in Ihren Augen bin. Sie können sich nicht vorstellen, was für mich davon abhängt. Es ist ein greulich ödes Loch, aber wenn Sie