ein Komödiant,« wiederholte er, und sein Gesicht wurde maskenhaft; »als solcher bin ich genötigt, die menschliche Natur in ihren extremsten Äußerungen vorzuführen. Das Bestechende beruht in einer auf den engsten Kreis projizierten Leidenschaftlichkeit und Konsequenz, die sich im wirklichen Leben niemals oder nur sehr selten finden. Es ereignet sich daher immer wieder, und diese Täuschung scheint ein verhängnisvolles Gesetz zu sein, dass man meine Person, diesen hier sitzenden Edgar Lorm, mit einem Rahmen umgibt, ungefähr so passend wie ein gotisches Kirchenfenster für eine Miniatur. Die weitere Folge ist, dass mir die Befestigungen und Vernietungen gegen die bürgerliche Existenz fehlen und alle Versuche, mich in ein harmonisches Verhältnis zu ihr zu bringen, kläglich scheitern. Ich zapple unter einer luftleeren Glasglocke. Was ich mache, ist aufgetriebener Schaum. Es soll Menschen mit einem Doppelleben geben; ich habe ein halbiertes, ein gevierteiltes, im Grunde ein erloschenes. Ich verabscheue diesen Beruf. Ich übe ihn aus, weil ich keinen andern habe. Ich möchte Bibliotekar sein, in Diensten eines großen Herrn, der mich ungeschoren ließe; oder Besitzer eines Meierhofs in einem Schweizer Tal. Ich rede nicht von dem, was beim Theater nebenher läuft, an Eklem und Abstossendem; von dem Narrenzug der Lügen und Eitelkeiten. Auch müssen Sie nicht glauben, dass ich das übliche Klagelied des verwöhnten Mimen absingen will, das aus Selbstüberschätzung und koketter Sucht nach Widerspruch gebraut ist. Mein Leiden liegt etwas tiefer. Der Krankheitserreger, wenn ich so sagen darf, ist das Wort. Mein Leiden stammt vom Wort. Es hat einen mörderischen Vergiftungs- und Entseelungsprozess in mir verursacht. Was für ein Wort? werden Sie fragen. Nun, das Wort zwischen Mensch und Mensch, zwischen Mann und Weib, zwischen Freund und Freund, zwischen mir und der Welt. Dasselbe Wort, das zu äußern Ihnen natürlich ist, bei mir ist es schon durch alle Register der Sprache und alle Temperaturen des Geistes gegangen. Sie gebrauchen es wie der Bauer die Sense, wie der Schneider die Nadel, wie ein Soldat seine Waffe. Für mich ist es ein Requisit, ein Scheinding, eine Molluske, ein Schalleffekt, ein tausendfach veränderliches Etwas ohne Umriss und ohne Kern. Ich schreie es, flüstre es, stammle es, krächze es, flöte es, treibe es auf, fülle das sinnlose mit Sinn, werde vom erhabenen zu Boden gedrückt: seit fünfundzwanzig Jahren. Es hat mich zerrieben; es hat mir den Gaumen gesprengt und den Brustkasten ausgehöhlt. Es ist, wenn auch noch so wahr, zuletzt doch unwahr; für mich unwahr. Es tyrannisiert mich, es martert mich, es flackert durch Wände und erinnert an Ohnmacht und unbelohnte Hingabe; es verwandelt mich