nochmals freute? Ein verdächtiges Zeichen! Der Renommist glaubt nicht an sein Glück, hat es noch nicht, deswegen phantasiert er von ihm. Ist nicht das meiste, was wir Glück nennen, nicht viel mehr als nur der ehrliche und gläubige Wunsch und die Bereitschaft zum Glück? Denn des echten Glückes sind wir so wenig gewohnt, dass ich wenigstens, vorausgesetzt dass ich es überhaupt könnte, mich hüten würde, von ihm zu erzählen; ich fürchte, schon die Mienen derer, die mir zuhörten, würden es beschmutzen, und dann flöge es mir davon. Das Leiden dagegen ist das Gewohnte und man spricht nicht vom Alltäglichen, und das Mitleid, das wir erregen könnten, widert uns an. Denn reden wir doch von ihm, so tun wir es in einer spöttischen und zynischen Weise: wir wollen die Mitleidsfanatiker schon fern halten und wollen immer stärker gelten als wir sind. - Was sagen Sie denn zu unserer Lyrik, die nichts ist als ein illustrierter Katalog unserer kleinen und kleinsten Leiden? Der Dichter will weniger Mitleid erregen, als sich von seinem Leiden befreien. Schon durch einfache Mitteilung unseres »Kummers« gelingt uns das, mehr noch innerhalb der festen Regeln eines Gedichts, wo wir unser Leiden als ästetisches oder moralisches Phänomen betrachten und uns als den Typus des Leidenden erkennen; und alles Erkennen ist im Grunde bejahend und erregt Lust. Und ich glaube, alle Dichtkunst derart als Heilungsprozess auffassen zu dürfen. Denn subjektiv ist sie durch und durch, vom läppischsten Liebesgedicht bis zum objektivsten Roman. Aber nun seht euch diese Helden an, diese Ichromane, die keine sein wollen, diese verschämten Selbstschilderungen mit Schönheitspflästerchen! Dieses verzwickte Steuern zwischen Wohlanständigkeit und pastoraler Pikanterie, dieses verzweifelte Lavieren zwischen Staatsbürgertreue und Fortschrittsdusel, dieses virtuosenhafte Vorgaukeln tiefster Probleme und meisterliche Verhüllen einer grandiosen Nichtssagenheit! Diese Skribler sind feige, sie haben nicht den Mut zu ihren Fehlern und Lastern und Oberflächlichkeiten und zeichnen uns Buch für Buch ihre drei kümmerlichen Tugendideale und als Paprika vielleicht noch ein Lasterchen dazu. Schämen sie sich ihrer Schmutzigkeit und Nichtigkeit, ihrer Faulheit und unglaublichen intellektuellen Gewissenlosigkeit? Als ob sie schuld an ihnen wären! Sie sollen sie zeichnen so nackt und wahr sie können, denn dadurch überwinden sie sie vielleicht und wir - lernen durch sie. Das sollte das einzige Motiv sein, wenn sie schreiben um zu schreiben, wenn sie mit ihrer Feder hausieren gehen. Und das Schauspiel? Das soll nichts sein als eine psychologische Studie. Und wo bleibt die Poesie? Wo der Pfeffer wächst! Sie hat ihre Aufgabe als Rauschbeere und Wegweiserin zum Rausch erfüllt. Ich weiß jetzt, welch betäubender Genuss in dem In-sich-Aufnehmen fremdartiger Schönheiten liegt, aber ich weiß auch, dass dieses fortwährende In