Sie strich Susanne mehrere Male sanft über die Schläfen und
lockte sie mit lächelnden Augen.
»Dann will ich es sagen.« Susanne schwang sich auf den Schaukelstuhl und
schaukelte, während sie erzählte. »Du darfst aber nichts sagen. Also. Ich habe
einen Künstler entdeckt. Er ist von Beruf Verkaufstechniker. Und nun denke dir,
wie komisch. Ich habe noch kein Bild von ihm gesehen. Ich selber nicht. Nur
Käterchen.«
»Wie kannst du dann wissen?« unterbrach sie Hermione.
»Du wolltest nichts sagen. Ich weiß nur, dass Käterchen sein Werk für ein
Haus hält und er es für ein weidendes Schaf erklärt.«
»Das solltest du doch Ossi selbst sagen. Interessant. Interessant.«
»Das dachte ich auch. Wenn man einen Gegenstand nicht mit den gewöhnlichen
Augen sehen kann, sondern nur geistig oder gefühlsmässig ... Und nun denke dir,
der Künstler war bei mir.«
»Interessant.«
»In meiner Wohnung. Käterchen wurde durch Zufall mit ihm bekannt und lud ihn
ein. Er will mir das Bild bringen.«
»Das ist die Hauptsache. Das wollte ich eben sagen.« Hermione blinzelte fast
dauernd mit den Augen, um ihren Gesichtsausdruck rätselhaft zu machen. »Man kann
es nicht wissen. Oh, in der Kunst ist es ganz eigentümlich. Oft sieht man etwas
für herrlich an, und dabei ist es gar nichts. Nichts. Und umgekehrt. Genau so.
Ich, ich selbst masse mir nicht so viel Urteil an. Nur Ossi. Was Ossi sagt,
darauf darfst du dich verlassen.«
Susanne war eigentlich schon im voraus von ihrem Künstler überzeugt, und
bereute fast, dass sie die Sache des Genies von einem Dritten abhängig machen
sollte. »Ich war wahrscheinlich viel zu nervös,« sagte sie, »ich hätte nicht zu
euch kommen sollen, ehe ich das Werk hatte.«
»Das verstehe ich sehr gut, Susanne. Es war ganz richtig, dass du gekommen
bist.« Hermione nahm den Hörer vom Fernsprecher: »Ich will doch einmal
versuchen, vielleicht ist Ossi doch ...«, sie lauschte aufmerksam und sprach
dann ins Mikrophon, nachdem sie zu dem ihr daraus Mitgeteilten herzlich gelacht
hatte: »Hören Sie, sagen Sie meinem Manne, er soll, ehe er geht, hereinkommen;
Susanne Flaubert, dringend.« Dann wieder, nachdem sie den Hörer zurückgelegt
hatte, sprach sie zu Susanne: »Er ist da.«
»Das ist mir nicht recht. Nun störe ich.«
»Du störst ihn gar nicht. Im Gegenteil, es war sehr richtig. Und es ist mir
so verständlich, dass du gleich gekommen