mit Zähneknirschen und grabmüdem Entsagegesicht. Aber weißt du, wenn du einem Ding entsagst, dann liebst du und wertest du auch als Entsagender es noch - ach! wie tief, in wie verborgenstem süssestem Herzen liebt gerade der Entsagende! Die Möglichkeit, dein Zuckerlieb Wahrheit zu gewinnen, schwand dir wohl, aber ihre Wünschbarkeit, ihr Wert schwoll ins Ungemessene, ins Tolle - ins Tolle! mein Alter. Du hast den Glauben an eine absolute, übermenschliche, dingliche Wahrheit abgelegt und siehst die Dinge nun, wie sie außerhalb der Wahrheit sind. Die Dinge sind nicht wahr: das ist jetzt deine - Wahrheit über sie. Die Dinge scheinen: das ist jetzt deine - Wahrheit über sie. Sind die Dinge nicht in Wahrheit außerhalb der Wahrheit? Streiche doch erst die Sprache aus deinem Kopf. Und in solchen Aberwitz bläst dein Erzzauberer, der sich Stimmung nennt. Und wie der Klang auf den Schlag des Klöppels folgt: weswegen, woher überfällt mich diese Stimmung? Habe ich Grund dazu? - Gewiss; weil ich Ehrfurcht habe, leuchten meine Augen und schwillt meine Brust. Ein Wort, ein nichtssagendes vielsagendes genügt - wovor habe ich Ehrfurcht? O, davor, dass ich die Dinge sehe, wie sie sind, wie sie in Wahrheit außerhalb der Wahrheit sind, dass ich ihr Erklärer, ihr Deuter, ihr Mundstück bin. O Hansnarr! Hansdichternarr! O du rohrhalmiger windiger Phantast, o du Stimmungsinterprete, du unfreiwilliger Blähungendeuter! Aber auf dass sie Ehrfurchterweckt, muss Schmerz mit der Erkenntnis verbunden sein. Ehrfurcht vor einer beglückenden Erkenntnis - o solche Ehrfurcht lass dem Pöbel, den schmauchenden Bierbäuchen da. Eine Schuld muss erkannt werden, eine schmerzensvolle leidenstolle Sühne muss erkannt, gewollt, muss mit ehernen Stirnen - mit verzückten Wahnsinnsaugen, in autokannibalistischen Wollüsten bejaht werden! Etwas schlechtin Unergründliches, rätselhaft Gegebenes muss dabei sein - o dann kannst du Ehrfurcht hegen! - Nun, sie stutzte zur rechten Zeit, verschluckte den bitter-süßen Rest und legte sich schlafen. - Und jetzt? Wo ist das Tor? Das Ziel? Der endliche Abschluss? Zeig ihn mir, armer Narr: da ist kein Nein, ist kein Ja - ein Mittelding, ein grauer Schatten, ein graues Nichts: was geht's mich an! was weiß ich! - - Doch siehe, liegt da nicht wieder ein Urteil drin? Eine latente Wahrheit? Und wie bald wird die frei sein, ihren alten Unheilweg gehen und ein System des Was weiß ich! Was geht's mich an! aufstellen, - und dabei wird wieder Ehrfurcht verpufft und Wollust verstöhnt - - - o gäbe es Krieg! Käme der Krieg! In gleissenden Wolkentürmen lauert er rings -: erwachte ein Sturm