Abwesenheit, sobald jemand sich in dieser anmassenden und misstrauischen Weise mit
sich selbst beschäftigt. Es liegt etwas Sklavisches und Furchtsames darin. Der
herrische Geist kritisiert sich nicht; es wäre ihm vermutlich gleichgültig, sich
auf Lügen oder Lücken draufzukommen; er ist vertrauensvoll durch sein Dasein.
Ich bin bereit zuzugeben, dass Ursprünglichkeit und geistige Hingabe bei mir
Programm sind: aber da mich diese Erkenntnis nicht erschüttern würde, entfällt
sie. Denn eine seelisch so wirkungslose Erkenntnis ist überhaupt keine. Sie
verstehen das Wesen des Glaubens nicht. Ihnen ist der Gläubige ein Dummkopf.
Aber das ist er gar nicht. Er beherrscht Biologie und höhere Mathematik. Es ist
diese ganz unäusserliche und der logischen Pölzung entratende Stabilität - ich
sehe mich ausserstande, Ihnen dies auch nur entfernt anzudeuten. Sie haben es
nicht. Und der es hat, hat es. Damit ist die Sache entschieden. Ein Sklave kann
ein Freigelassener werden - aber kein Herr. Haben Sie bemerkt, dass alle
Herrennaturen gläubig waren und dass der Skeptizismus aus dem Geist der Sklaven
kommt: ja, aus dieser hämischen Kammerdienerseele vor dem Schlüsselloche, he?
Ich will gleich sagen, die Anwesenden sind ausgenommen, hehe ...«
»Danke schön. - Aber wie meinen Sie das nun: Sie glauben - woran? An Träume
- -?«
»Nein. Ich glaube nicht an Träume. Ja, ja. Das ist so eine Sache. Ach, ich
kann es nicht erklären. Es ist ganz anders, als so gerade drauflos. Nein ich
erkläre es Ihnen doch. Der Traum ist nicht unlogisch. Seine Logik ist im
Gegenteile strenger. Ein Spazierstock, der im Boden steckt, kann etwas
Furchterregendes, er kann das Grauenvolle selbst sein. Denn es ist unmotiviert,
dass er dasteht. Er steht ein wenig schief: und dieser stumpfe Winkel hat eine
infame Bedeutung, er kann eine Katastrophe versinnbildlichen. Eine ganz
schäbige, flüchtige, gemeine Handlung kommt in ihm zum Ausdruck. Es ist eine
stählerne Logik darin. Nur der Traum ist rational. Er kennt nichts Zufälliges
oder Wirkungsloses.«
»Aber er ist doch nur etwas Sekundäres«, sagte ich. »Er ist ein Anhängsel
zum Leben, ein Nebengebäude.«
»Nein«, sagte Slim rasch, »Sie irren. Was Sie im Traum erleben, erleben Sie
in einer anderen Welt; aber es gehört zur Totalsumme Ihrer Erlebnisse; jetzt
leben Sie. Sie wissen nichts vom Traum. Sie träumen: Sie wissen nichts vom
Leben, Sie erinnern sich daran wie an einen Traum. Beide Erlebnisse sind real,
nur der Akzent ist geändert. Solange Sie wachen, scheint Ihnen die Wachlogik die
kompaktere; im Traum aber zweifeln Sie keinen Augenblick an der Traumlogik