besann sich aber sofort und sagte: »Phantoplasmen, doch, das ist gut. Ich verstehe, Phantasie, Plastik. Das ist ausgezeichnet.« Er sah mich aufmerksam an. »Das ist besser als Phantomien. Phantomien ist nämlich das Wort, das ich dafür geprägt habe. Es ist doch merkwürdig, wie man auf dieselben Gedanken kommt, wenn man in der Einsamkeit sich gegenseitig ausgesetzt ist!« sagte er mit steinernem Gesichte. »Man durchdringt sich förmlich.« Ich errötete unter seinem Vorwurf. Seine gedankenvolle, nahezu weise Stirne schien der Ausdruck höchster Ironie. Er hasste mich, weil ich das bessere Wort gefunden hatte. »Ja«, fuhr er fort, »das ist es wohl. Künstler schaffen Glückstypen und Schicksalsgenüsse. Auch eure rechten Künstler tun nichts anderes, sie schaffen die Glückstypen eurer Zeit. Der Glückstypus eurer westarischen Kultur ist der wissenschaftliche Mensch. Das Schicksal, das euch süß erscheint, ist die Plage der Analyse. Man hat Entwicklung. Es ist leicht möglich, dass man einmal über die Analyse hinauskommt und wieder zu stationären Typen gelangt, wie der Chinese. Aber hinter diesem - Phantoplasma von der Entwicklung vollzieht sich ewig gleich und unbeirrt das physische Urschicksal, das wir nicht kennen, das wir nur deuten, zu dem unsere Existenzen nur Symbol - wittern Sie die Kunst? - sind, und dem Kelwa durchaus nicht näher steht als ihr - nein, ich will sagen: wir. Durchaus nicht. Habe ich einmal etwas Ähnliches behauptet, so mit einem anderen funktionellen Werte als jetzt; nur bildlich, innerhalb eines Raumgleichnisses. Denn Kelwa hat ohne das Motiv der Entwicklung sein Phantoplasma, seine Rassenglücke und seine Dialektik. Seine Sprache ist unfähig, mich und meine Gedanken auszudrücken. Aber ahnen Sie schon, dass bei ihm das bloße Lustvermögen an den Farbenvorstellungen seiner Bilder genau so zureichende Erklärungen des Urempfindens einschliesst wie unsere waghalsigsten Theorien? Er kann niemals denken wie ich und vielleicht - - -« »- - - vielleicht«, rief ich jubelnd, »ist dieser Kelwa nur eine Ausdeutung des Urempfindens aus Ihrem eigenen Phantoplasma heraus!« »Glauben Sie?« sagte Slim mit einem Zuge um die Augen, der alles bisher Gesagte förmlich zurücknahm. Meine allzu bereitwillige Zustimmung mochte ihn genieren. Ich verstand, dass er bereits die Einschränkung nötig empfand. »Aber was bewiese das? Dass meine Theorie rund ist, sich selbst als Theorie behandelt, also vollkommen alle Chancen auf Wirklichkeit erschöpft!« Hier hatte man den ganzen Slim. Einen sublimen Spitzbuben. Intelligenz ist Gaunerei höchsten Grades. Ich sah zu Kelwa hinüber, der ein Gesicht aufbewahrte, das mich ärgerte; die Züge der männlichen Sphinx, des Künstlers. Der Künstler, da war