um mein eigenes hübsches Subjekt handelte. Aber ich entdeckte nichts, das gerade für mich dagewesen wäre; denn es war alles für mich da, und statt des wunderbaren duftigen Landes entdeckte ich einen allgemeinen und gewöhnlichen alten Planeten, die Erde. Wie ich hier wieder einmal in meiner Hütte lag, unruhig dem tropischen Morgen trotzend, der mit einer schnurrenden Lebensäusserung des geweckten Djungles anhob, unterschied ich deutlich das wirkliche Ergebnis meiner Forschungsreise vom herkömmlichen; ich hatte nicht Brasilien, auch nicht den brasilianischen Kaiser entdeckt, sondern die brasilianische Seele des Planeten. Was war meine ganze Reise bisher mit ihren Abenteuern, denen der gewünschte schöngeistige Zug des Heldenhaften empörend mangelte, anderes gewesen als ein kurzer Abriss gattungshafter Erfahrungen? Wohin anders reisen wir, als nach rückwärts in unser eigenes Gedächtnis? Mit erhellterem Kopfe sah ich mich in die Chancen unmündiger Zustände tauchen, in wilde Ureigentümlichkeiten und Katzbalgereien, in die Moräste meines Blutes und des pflanzenhaften Glücksbetriebes. Und langsam reifte die Genesis wieder zu mir heran, ein Doppelgänger der Entwickelung entstand durch die Spiegelungen meines Gehirns in einem höheren Kreise, einem unsinnlichen Mittel, in einem anderen Phantoplasma. Mein Gehirn machte noch einmal den ganzen Weltprozess durch, veranstaltete eine brennpunktkleine Neuausgabe von ihm. Aber während es die Entwickelung spiegelte, reifte es sie aus. Man muss nicht nur des Kurzen dorther kommen, woher man eigentlich des Langen kommt, sondern muss auch darum wissen, darum irren, ja, vielleicht sogar darum lügen. Was ich tat, war zweierlei in einem, soviel war klar. Ich tat eine Reise mit sinnlichen Erlebnissen, halb banaler und halb bedeutsamer Art; und tat eine Reise der abstrakten Erkenntnis, unter der jeder geographische Boden schwand und ein Fleck des Planeten so gut war wie der andere. Und ohne dass ich selbst geschult und tatkräftig die Fäden in der Hand hielt, bloß, indem ich mich mir und dem Leben hingab, schlug sich das Leitmotiv in der Verquickung der Wirklichkeiten endlich nachdrucksvoll durch. Von der Zelle bis zur Selbstbespiegelung: dies ist ein langer Weg, ist der Amazonenstrom der Menschenseele, ist ein brasilianisches Urwald- und Flusssystem des Gemütes! Beobachtung, bitte, das ist mein Haupttrumpf, ist Postulat. Der Schöpferische sieht, hört, schmeckt, riecht und tastet in die Weltdinge hinein, und siehe da, sie werden unter seinen Sinnen wirklich. Man könnte diese Formel auch umkehren, sozusagen eine zyklische Vertauschung vornehmen, und an ihrem Werte wäre nichts geändert. Man könnte nämlich sagen, alles Erkennbare sei bereits als Masse vorhanden, und die Analyse sei nur die rüstige Pickel, die den Abbau betreibt. In dieser Form gibt es der selbstverständlichen Ansicht Ausdruck. Aber hier setzt ein anderer Gedanke ein. Von zwei Auslegungen wird die reichere