können doch über Nacht reich werden und brauchen dann nicht mehr -,«
fuhr ich ihr unbedacht in die Rede, hielt aber rasch inne, als ich das Entsetzen
in ihrem Gesicht bemerkte, - »ich meine: Sie können plötzlich auf natürliche
Weise Ihrer Sorgen enthoben werden, und die Wunder, die Sie dann erleben, würden
geistiger Art sein: - innere Erlebnisse.«
Sie schüttelte den Kopf und sagte hart: »Innere Erlebnisse sind keine
Wunder. Erstaunlich genug, dass es Menschen zu geben scheint, die überhaupt keine
haben. - Seit meiner Kindheit, Tag für Tag, Nacht für Nacht, erlebe ich -« (sie
brach mit einem Ruck ab, und ich erriet, dass noch etwas anderes in ihr war, von
dem sie mir nie gesprochen hatte, vielleicht das Weben unsichtbarer
Geschehnisse, ähnlich den meinigen) - »aber das gehört nicht hierher. Selbst,
wenn einer aufstünde und machte Kranke gesund durch Handauflegen, ich könnte es
kein Wunder nennen. Erst, wenn der leblose Stoff - die Erde - beseelt wird vom
Geist und die Gesetze der Natur zerbrechen, dann ist das geschehen, wonach ich
mich sehne, seit ich denken kann. - Mir hat einmal mein Vater gesagt: es gäbe
zwei Seiten der Kabbala: eine magische und eine abstrakte, die sich niemals zur
Deckung bringen ließ. Wohl könne die magische die abstrakte an sich ziehen,
aber nie und nimmer umgekehrt. Die magische ist ein Geschenk, die andere kann
errungen werden, wenn auch nur mit Hilfe eines Führers.« Sie nahm den ersten
Faden wieder auf: »Das Geschenk ist es, nach dem ich dürste; was ich mir
erringen kann, ist mir gleichgültig und wertlos wie Staub. Wenn ich mir denken
soll, es könnten Zeiten kommen, sagte ich vorhin, wo ich wieder ohne diese
Wunder leben müsste,« - ich sah, wie sich ihre Finger krampften und Reue und
Jammer zerfleischten mich, - »ich glaube, ich sterbe jetzt schon angesichts der
bloßen Möglichkeit.«
»Ist das der Grund, weshalb auch Sie wünschten, das Wunder wäre nie
geschehen?«, forschte ich.
»Nur zum Teil. Es ist noch etwas anderes da. Ich - ich - «, sie dachte einen
Augenblick nach, »war noch nicht reif dazu, ein Wunder in dieser Form zu
erleben. Das ist es. Wie soll ich es Ihnen erklären? Nehmen Sie einmal an, bloß
als Beispiel, ich hätte seit Jahren jede Nacht ein und denselben Traum, der sich
immer weiter fortspinnt und in dem mich jemand - sagen wir: ein Bewohner einer
andern Welt - belehrt und mir nicht nur an einem Spiegelbilde von mir selbst und
seinen allmählichen