ich so manches; freilich bin ich nur ein zerebraler Jünger dieser Schule, - denn
aus seiner eigenen Haut kann man leider doch nicht heraus. - - Alle diese Lehren
der Lebenskunst,« fuhr er fort, da niemand sprach, »wie sie die moderne,
asiatische Philosophie lehrt, laufen darauf hinaus: besser zu leben; nicht etwa
edler, nein, - besser. Das alles ist klarste Weisheit der Selbsterhaltung.«
»Warum sollte ein Mensch, der immer kontra seinem eigentlichen Wollen
handelt, so viel besser daran sein, als andere«, meinte Werner.
Herr von Bredow sah ihn mit seinem durchdringenden Zentralblick an. »Weil es
einem Menschen von direktem Wollen, der die Verhältnisse aller Dinge schändlich
missachtet und immer mit dem Kopf durch die Wand rennt, - schlimm ergeht. Dieser
aufs Positive gerichtete Wille wird gestraft, und seine Strafe besteht zumeist
darin,« fügte er leise, fast geheimnisvoll hinzu, »dass alle seine Wünsche in
Erfüllung gehen, - dass er wirklich alles durchsetzt ... Wünsche sind wie
Sklaven, die sich abarbeiten, - bis alles vollbracht ist. Etwas Schlimmeres aber
kann einem nicht passieren.«
Herr von Bredow stützte seinen mächtigen Kopf in die Hand und sah mit seinen
klaren, grauen Augen vor sich hin. »Dieser gierige, europäisch-amerikanische
Willenstrieb ist der Grund, warum uns die Orientalen gering schätzen; ihre
durchaus nüchterne Moral verlangt vor allem: innere Abrüstung. Wir - sind dazu
zu aggressiv, zu diesseitig, zu selbstgefällig und, vor allem, zu hungrig. Darum
erscheinen wir den Völkern des Ostens zerrissen, verschwommen - und immer
getäuscht.«
Werner horchte hingegeben. »Ich wusste nicht, dass die buddhistische Lehre im
Grunde auf Vernunftsschlüsse hinzielt«, sagte er.
»Die vollkommene Reinigung von sentimentalen Motiven hat die modernisierte
Schule des Buddhismus erbracht. Es ist ein nüchterner Kodex edler Lebensführung,
den sie umschließt. Milde, Verstand und Wissen, logische Ergebung sind ihre
Ziele. Untätigkeit bringt sie nur im Sinne einer Loslösung vom Gemenge
weltlichen Getümmels mit sich, - dafür rastlose innere Mission an sich selbst.
Das ist ihr Sinn. Und ihr letzter Schluss: das Seelenheil - erreichbar hienieden,
- durch Verstand und Maß. Keine geheimnisvollen Riten, keine mystische, sondern
eine vernünftige Ergebungsteorie, keine Gottgläubigkeit und auch keine
Spekulation auf Nirwana mehr. Eine hochherzige, von Aberglauben gereinigte,
vorwiegend intellektuelle Lehre.«
»Geben Sie mir mehr, - noch mehr davon«, stieß Hoffmann hervor, und sein
Auge hing, wie der Blick eines Verdurstenden an der labenden Frucht, am Mund der
Erzählers.
Mit ernster Freundlichkeit erwiderte Herr von Bredow: »Sie haben mich
danach schon so oft gefragt, mein Freund