von Hindernissen, jeder Tritt muss erkämpft
werden, - das ist mir entsetzlich lästig; während die wohlige Freiheit in Rosas
Bewegungen mich hebt und entzückt. Man findet in Abbildungen aus alter Zeit
niemals eine Annäherung an jenen Knieholzwuchs des weiblichen Unterkörpers; es
scheint eine neuere schlechte Mode zu sein, die vielleicht von irgend einer
übelen Angewohnheit oder Beschäftigung der Mütter herrührt. Dergleichen Dingen
sollte die Medizin nachforschen, und die Polizei sollte ihr dann an die Hand,
gehen - es ist eine der größten gesellschaftlichen Sünden, fehlerhaft hässlich zu
sein (eine regelmäßige Hässlichkeit ist auszunehmen) - ich wäre überhaupt dafür,
alles mangelhaft Geborene sogleich dem Chaos wiederzugeben, wie der
Metallkünstler das Verunglückte wieder in die Masse wirft, und es zu ersäufen.
Ich hoffe, Du weißt, Fähnrich, was ein schönes Bein ist - es ist ein
Hauptvorzug der Spanierinnen, und ich gebe außerordentlich viel darauf, es ist
das Motiv der Erscheinung. Rosa geht wie ein flüssiger Daktylenvers. Von der
Hüfte an nämlich strebt in schönstem Schwunge die runde volle Form immer sanft
nach außen, dem Schauenden sich entgegendrängend, man sieht in den sanften
Linien das Weiche und Elastische ausgedrückt und ergötzt sich doch an der
springenden Kühnheit des Grundzuges, welcher da, wo das Bein in die Nähe des
Fußes kommt, durch den liebenswürdigsten kleinen Bogensprung die genialste
Verbindung mit diesem bewerkstelligt. Zu oben gerügtem schlechten Wuchse des
Unterkörpers gehört nämlich auch, dass das Bein perpendikulär auf einen
horizontalen Fuß sich aufsetzt und beide zusammen das fatalste Dreieck bilden.
Bein und Fuß sondern sich wie Staatsgewalten - das ist widerwärtig platt. Bei
Rosa hüpft das Bein in gerundetem hohem Spann auf den Fuß, und dadurch erhält
der ganze Körper jene schaukelnde über alles bestechende Grazie, welche der
fliegende Poet vor dem schwerfälligen Philosophen voraus hat.
Nun hat Rosa nicht die unangenehme Manier sovieler leicht und rasch
gewachsenen Mädchen, dass sie in ihrem Gange tänzelte und hüpfte, eine Manier,
die so unschön ist wie das Zappeln mit den Fingern - nein, sie geht, aber schön
und leicht wie ein anmutiger Gedanke. Wie wenige unserer eleganten Damen wissen
zu gehen! Es muss eine Selbständigkeit, eine Unabhängigkeit im Gange sein, die
ein wohltätiges Gefühl von sicherer Freiheit erweckt, der Gang muss das Zeichen
des Sieges über die träge Erde sein - bei den meisten Weibern ist er das Zeichen
des Kampfes. Die Straffheit der Muskeln spielt mit dem schwerfälligen Boden,
wenn die Dame schön geht, sie ringt mit ihm, wenn unschön. Daher ist es so
greulich, wenn plump Gewachsene einen sogenannten Anlauf nehmen - es wird mir so
unbehaglich dabei, als wenn ich schwere Gänse zum Fliegen ansetzen sehe. Es ist
dann ein Rücken, Ziehen und Heben der Schultern und Hüften, ein