mir entgegen, ich hätte niedersinken mögen, bestürmt von dem plötzlichen Eindrucke, oder durch die Fensterscheibe springen im trunkenen Drange nach Freiheit. Er war allein und ging im Zimmer umher. Folgendes war seine Rede: »Es spricht heute nicht der Richter zu Ihnen, sondern der Jugendbekannte. Ich kenne Ihren Gedankengang und weiß, dass Sie sich in einem gewissen Stolze meiner überheben, da Sie der Unterdrückte vor mir stehen, welcher ich eben Gewalt und Macht über Sie habe; dass Sie den Anfängen meiner Lebensgeschichte nach, die ich mit Ihnen gemeinschaftlich erlebt habe, glauben, diese meine jetzige Stellung könnte mit einer Unwürdigkeit meines sittlichen Menschen zusammenhängen, weil sie mit dem Beginn meiner damaligen Lebensansichten auf den ersten Anblick nicht harmoniert. Um einer solchen Folgerung zu widersprechen, welche Ihrem inneren Schicksale eine falsche Richtung geben und mich in eine falsche Position bringen könnte, will ich Ihnen mit zwei Worten meine Lebensentwicklung mitteilen. Warum ich dies auf so förmliche Weise und nicht im wiederangeschlagenen Tone unserer früher kordialen Bekanntschaft beginne, wird Ihnen erklärlich sein, wenn Sie bemerken, dass ich eben Persönliches aller Art der Form unterordne, wenn es sein muss, gewaltsam und schonungslos unterordne, dass ich eben in der Ansicht zu meinem jetzigen Punkte gekommen bin, die Form sei alles, sei die eigentliche Bildung, der losgelassene, seiner ganzen Innerlichkeit freigegebene Mensch sei ein ewiger Feind des Zusammenlebens. Als Jakobiner, als Vergötterer aller Revolution kam ich nach Paris und erkannte langsam, aber sicher, dass die Gesellschaft darin zugrunde gehen müsse, wenn jeder Regung des unbändigen Menschen Folge gegeben werde. Der erfindende Mensch, das Genie, ist wild und grausam, es entspricht dem reißenden Tiere, bei welchem sich ebenfalls die größte Potenz der Tierwelt, vorfindet, welches nur zum Nachteile seiner Umgebung lebt und überall auf den Tod verfolgt werden muss. Dagegen ist die Schranke erfunden, welche man Form nennt, und je eiserner diese ist, desto besser wirkt sie. Am äußersten Endpunkte der Revolution wird nichts gewonnen als ein anderer Herr, ein anderer Diener; wenn's hoch kommt, ein gelinderes Verhältnis zwischen diesen. Ein Verhältnis also wieder, eine Form wieder, die just durch ihre Entstehung bedroht ist. Hat man früher die Heiligkeit der Form zerreißen dürfen, warum nicht später auch? So wird die Auflösung geboren, und just der Wildheit ist das Tor geöffnet, weil sie im Erfinden am mächtigsten ist. Und halten Sie das gelindere Verhältnis für einen Gewinn? Es führt zu nichts als zur Überhebung des Niedrigeren: weil er seltener und weniger zu gehorchen, Leichteres zu leisten habe, ist ihm jede Lösung und Nichtbeachtung um so näher gelegt. Erwarten Sie von der Masse die seine Sonderung des Erlaubten, weil Sie sein Verhältnis