machen den Eindruck der Unwissenheit
und der Hilflosigkeit, und jeder Eingeborene, dessen Dienste sie in Anspruch
nehmen müssen, hält es für sein gutes Recht, ihre Unkenntnis möglichst
auszubeuten. Sie mögen sich nun gegen ihn verhalten, wie sie wollen, höflich
oder grob, freigebig oder nicht, auf alle Fälle betrachtet er sie als Personen,
die sich mit ihm nicht messen können und deren Heimat eine so traurige ist, dass
sie weite und kostspielige Reisen machen müssen, um einmal etwas Schöneres und
Besseres zu sehen. Er sieht und hört ihre laute Bewunderung für Alles, was für
ihn zu den Alltäglichkeiten gehört; er wird von ihnen als halbes Wunder
photographiert; er steht dabei, wenn sie bei ihren Einkäufen für Dinge, welche
aus Deutschland kommen und dort eine Mark kosten, vielleicht den zehnfachen
Preis bezahlen; kurz, was sie ihm einflößen, ist nichts weniger als das Gefühl
der Hochachtung, und wenn sie von Jedermann mit den Worten »Bakschisch«
angerufen und verfolgt werden, so dürfen sie sich nicht etwa denken, dass man
unter dieser »Gabe« ein unverdientes Almosen versteht, sondern sie als einen
Tribut betrachtet, welchen der Einheimische zu fordern berechtigt und der Fremde
aber zu geben verpflichtet ist. Ich habe noch keinen Wirt, Händler, Führer,
Dolmetscher und Eselsjungen gesehen, der nicht überzeugt gewesen ist, diesen
ihrem Erklärer immer hilflos nachlaufenden Christen weit, weit überlegen zu
sein. Und dieses Urteil ist stets ein verallgemeinerndes. Der Orientale braucht
nur einen einzigen Punkt zu bemerken, in Beziehung auf welchen er dem
Abendländer über ist, so steht sofort in ihm die Überzeugung fest, dass dieser
Vorzug auch in jeder anderen Hinsicht vorhanden sei. Natürlich wird diese
falsche Annahme vor allen Dingen auch auf den Glauben ausgedehnt. Der Tourist,
besonders der sogenannte »Herdentourist«, hat seine Individualität daheim
gelassen und bringt nichts als nur seine Neugierde und seinen Geldbeutel mit; er
ist ein personifiziertes Bakschisch, welches das Abendland dem Morgenlande
bringt. Dieses Bakschisch zieht dort den Betrug, die Habsucht und die Lüge groß,
fließt meist in die Kassen nicht einheimischer Geschäftsleute und bringt dem
eigentlichen Oriente wohl keinen, am allerwenigsten aber einen geistigen Nutzen.
Seine Seele aber bleibt nicht unberührt.
Das Sträuben Sejjid Omars war nichts, als eine Äußerung dieser Seele,
welche sich dagegen empört, ihre Heiligtümer der fremden Neugierde gegen ein
Trinkgeld von einigen Halbpiastern preiszugeben. Und es fand seine mehr als
genügende Begründung in dem moralischen Werte oder Unwerte desjenigen
Christentums, welches er kennen gelernt hatte.
Wer ein scharfes, offenes Auge besitzt, der wird von Alexandrien und Port
Said oder Suez an bis nach Assuan hinauf in unzähligen Fällen die Behauptung
bestätigt finden, dass überall, wo von einem Gewinn um jeden Preis die