ich darf nicht schwärmen wie du, denn ich habe ernste
Pflichten zu erfüllen. Denke an meine Wette mit Reverend Burton in London, im
Laufe des ersten Jahres fünfzig erwachsene Chinesen zu bekehren und ihm die
Beweise darüber vorzulegen!«
»Was diese Wette betrifft, Vater, so wünschte ich, du wärst sie nicht
eingegangen. Ich habe das Gefühl, dass es eine Enteiligung ist, die Seligkeit
Anderer zum Gegenstande einer Wette zu machen.«
»Nicht über diese Seligkeit, sondern über meinen Erfolg haben wir gewettet,
Kind! Und ich werde gewinnen, weil mir die Gabe der überzeugenden Rede verliehen
ist. Ich begreife nicht, wie ein Mensch einen anderen Glauben haben kann als den
meinigen, welcher doch der einzig richtige, der einzig wahre ist. Schau dir da
den Eselsjungen an! Sein Allah ist ein falscher Gott und sein Muhammed ein
Lügner. So viele Türme da unten ragen, in so viele Moscheen möchte ich treten,
um laut auszurufen, dass es kein anderes Heil als das unsere gibt. Warum werden
so wenig Heiden bekehrt? Weil uns der Mut fehlt. Ich werde in China keinen
Tempel betreten, ohne mich offen hinzustellen und den Ungläubigen zu sagen, dass
sie Heiden sind, denen die ewige Verdammnis sicher ist, wenn sie sich nicht
bekehren. Ich werde - - - doch, sieh hin! Was tut dieser Mensch?«
Er hatte sich mitten in der Rede unterbrochen und zeigte auf Sejjid Omar,
welcher jetzt Etwas tat, was die Aufmerksamkeit des Amerikaners auf sich zog,
weil er es noch nie gesehen hatte. Der Eseltreiber schickte sich nämlich an,
sein muhammedanisches Gebet zu verrichten.
Es war zwar jetzt nicht eigentlich Betenszeit, denn das Asr war schon
vorüber, und das Moghreb soll erst beim Untergang der Sonne gebetet werden; da
aber die Zeit des einen Gebetes bis zum Beginn des nächsten reicht, so kann man
die vorgeschriebene Pflicht, wenn man an ihrer Erfüllung verhindert wurde, bis
zum Anfang der nächsten Periode nachholen. Sejjid Omar hatte aus irgend einem
Grunde das Asr nicht beten können, und da sich ihm hier oben die Gelegenheit
bot, seinen religiösen Verpflichtungen völlig ungestört nachzukommen, so tat er
dies, ohne sich um den Glauben und die Meinung der Anwesenden zu kümmern.
Er nahm seinen Zeuggürtel ab, faltete ihn auseinander und breitete ihn als
Gebetsteppich auf die Erde aus. Nachdem er sich gegen Osten, mit dem Gesicht
nach Mekka, gerichtet hatte, hob er die offenen Hände zu beiden Seiten des
Gesichts empor, berührte mit den Spitzen der Daumen die Ohrläppchen und sagte:
»Allahu akbar - Gott ist sehr groß!«
Dieser Ruf war es, welcher die Aufmerksamkeit des Amerikaners auf ihn
gelenkt hatte. Hierauf ließ er