tot sein als leben, wenn es so sei. Der Mann, der zu Hans das sagte, mochte etwa fünfzig Jahre alt sein und war ein Schuhmacher, und seine Gestalt und Gesicht waren auch die eines armen Schuhmachers, der vielleicht nach seines sesshaften Gewerbes Art zuweilen wunderliche Gedanken hat. Aber diese Worte rührten Hans ans Gewissen, denn plötzlich merkte er, dass er ein ganz andrer Mensch geworden war wie früher, und dass er früher gedacht hatte, er wolle lieber tot sein als so leben, wie der Mann schilderte, und dass er jetzt so lebte. Und dazu wurde ihm klar, dass er jetzt viel log; denn der fröhliche Weiland redete wohl die Wahrheit, und der ernsthafte Jordan redete die Wahrheit, und dieser Mann; aber er selbst hatte sich in Lügen gefangen und war dadurch in Gewissensangst geraten. Er wusste aber nicht, was er antworten sollte; denn nicht nur gibt es ja keine Antwort auf die Frage, sondern er selbst war auch so verwirrt, dass er auch sonst nichts Rechtes zu sagen gewusst hätte. Deshalb sprach er nur, dass das eine Sache des Glaubens sei; wenn einer glaube, dass er in seinen Gedanken und Entschlüssen durch die Verhältnisse bestimmt werde, so sei es so, und wenn er das nicht glaube, so sei es nicht so. Hiermit war dem Mann nun wohl nicht sonderlich gedient; aber er merkte wohl, dass Hans ihm nicht mehr zu sagen wusste, und deshalb forschte er nicht weiter. Jordan hatte mit Anstrengung zugehört. Jetzt sagte er, es sei richtig, dass die Verhältnisse unser Denken und Wollen bestimmen; denn wenn wir alle in der herrschenden Klasse geboren wären, so würden wir so denken und handeln wie die, und die Arbeiter verurteilen, und doch wären wir im übrigen genau solche Menschen wie jetzt. Hierüber versuchte Karl zu bemerken, dass sie beide als Studenten doch der höheren Klasse angehörten; es zeigte sich aber, dass die Arbeiter die beiden gar nicht recht ernst nahmen, sondern sie mit einer liebenswürdigen Nachsicht betrachteten, etwa wie ein alter Förster einen jungen Herrn mit auf den Anstand genommen hat, und dieses Urteil ergab sich nicht aus den Worten, die sehr zartfühlend waren, aber man merkte es doch in der Gesinnung. Der alte Mann jedoch sagte zum Schluss, wenn die Gerechtigkeit nur ein Rauch sei, so sei die ganze Welt sinnlos; damit erhob er sich zum Gehen und war erregt wie einer, der einen heftigen Kampf für sein Liebstes streitet und dabei doch das Gefühl hat, dass sein Kampf nutzlos ist. Karl hatte sich mit Weiland angefreundet und mit dem verabredet, dass sie gemeinsam am Sonntag einen Ausflug in einen Vorort machen wollten, der berühmt war durch seine