etwas von den Gewohnheiten und der
Ausdrucksweise der Leute, mit denen wir zu verkehren hatten, anzueignen. Weil er
Engländer war, glaubte er, in jeder Beziehung durchaus nur englisch sein zu
müssen, und gab sich nicht die geringste Mühe, ein türkisches, arabisches,
kurdisches oder persisches Wort im Gedächtnisse zu behalten. Dass er Deutsch
verstand und sprach, wäre ein Wunder zu nennen gewesen, wenn ihm diese Kenntnis
nicht schon während seiner Knabenzeit von einer deutschen Verwandten
mütterlicherseits beigebracht worden wäre. Er hegte die unerschütterliche
Überzeugung, sich selbst auf dem fernsten und unbekanntesten Erdenpunkte mit
englischem Wesen und ausschließlich englischer Sprache leicht und mühelos
bewegen zu können, und war der Ansicht, dass auch das geringste Abweichen von
dieser Gepflogenheit eine Beleidigung seiner Nation bedeute. Diese Einseitigkeit
war uns oft in hohem Grade unbequem geworden. Wenn man sich mit einem Begleiter,
der die Sprache und die Sitten des Landes nicht kennt und versteht, unter
fremden, vielleicht gar nur halb civilisierten Völkerschaften bewegt und dabei
oft das Unglück hat, in gefährliche Lagen zu geraten, so versteht es sich ganz
von selbst, dass die Anwesenheit eines solchen Gefährten, und wenn er sonst der
beste Mensch der Erde wäre, nicht nur hinderlich und störend, sondern unter
Umständen sogar verhängnisvoll werden kann. Das aber hatte Lindsay niemals
einsehen wollen, und so kann man sich mein Erstaunen denken, als ich hier in
Basra auf einmal hörte dass er plötzlich das Arabische nicht nur verstand,
sondern es, freilich noch sehr fehlerhaft, auch sprach!
Er hatte sich jedenfalls jahrelang und zwar mit großem Fleiße mit dieser
Sprache beschäftigt, und dass er das getan und die darauf verwendete Mühe nicht
für weggeworfen gehalten hatte, das war es, was mir an ihm vollständig fremd
vorkam und mich mit Verwunderung erfüllte. Hierzu kam ein Umstand, welcher mich
bewog, mich über diese seine mir so überraschende Sprachfertigkeit herzlich zu
freuen: Wenn er mit uns nach Persien ritt, wo man sich ebensosehr der arabischen
wie der Landessprache bedient, war es für uns, und besonders für mich, eine
große Erleichterung, nicht jemanden bei uns zu haben, der aus Mangel an
Sprachkenntnis keinen Eingeborenen verstehen konnte und dem ich also, wie das
mit Lindsay früher ja der Fall gewesen war, jedes Gespräch zu übersetzen und
alle nur einigermaßen wichtigen Vorkommnisse extra zu erklären hatte. Denn dass
er mit uns reiten würde, das unterlag gar keinem Zweifel. Die Absichten, welche
ihn hierher geführt hatten, und die von ihm getroffenen Dispositionen mochten
sein, welche sie wollten, sobald er uns sah, ließ er alles andere liegen, um
sich uns anzuschließen, davon war ich überzeugt. Er liebte das Ungewöhnliche,
sogar die Gefahr, und hing mit einer so herzlichen, aufrichtigen