aber? Gibt es denn eine Seele? Wenn ja, nun, so gehört sie zum Körper und muss
doch mit ihm selig werden. Über diesen Punkt viel nachzudenken oder gar an
dieser Seele zu arbeiten, das würde die ganze Behaglichkeit zu nichte machen.
Für diese Materialisten, diese Liebhaber des religiösen Komfortes gibt es
keinen Zufall, denn dass sie so fromm sind und so selig werden, das ist doch
wahrlich kein Zufall, sondern die unbedingte Folge ihres hohen geistlichen und
auch sonstigen Wertes; das ist doch leicht erklärlich! Und was sie nicht
erklären können, das nennen sie nicht Zufall, denn dieses Wort passt für einen
guten Christen nicht, sondern Gottes Schickung. Aber wie das Wort Schickung hier
gemeint ist, bedeutet es eben auch nur Zufall, und zwar nicht nur ein blindes,
sondern ein gewolltes Ungefähr, und das ist noch schlimmer. Das Wort Schickung
in diesem Sinne bringt das allgerechte und allweise Walten der göttlichen Liebe
um die ihr auf den Knieen zu zollenden Ehre. Geistliche Güter sind in gewissem
Sinne auch als materielle Gaben zu bezeichnen, und die Liebe Gottes teilt diese
Geschenke nicht nach Willkür aus, sondern nach Gesetzen, die ihre eigenen sind;
sie handelt nicht regellos. Ist doch grad sie es, die jene geheimen Fäden in den
Händen hält, welche Seele mit Seele vereinen und Ursache mit Ursache verbinden,
so dass die Wirkung dann als eine Schickung im wirklichen Sinne, nämlich als eine
Fügung des allgütigen Ratschlusses Gottes erscheint. Wer gelernt hat, zu sehen,
der kann in seinem Leben Beweis um Beweis finden, dass das, was andere Zufall
nennen, ein von der belohnenden, warnenden oder wohl auch strafenden Liebe
herübergeleitetes Ergebnis seelischer Zusammenwirkung ist. Und wenn er eifrig
sucht, wird er dann gewiss in seiner eigenen Seele den Berührungspunkt entdecken,
der ihm erklärt, warum grad ihn und keinen andern diese Fügung traf, die dann
für ihn nichts weniger als ein Zufall ist! -
Warum aber hier diese Darlegung meiner Ansicht über den Zufall? Zunächst,
weil es mir so sehr am Herzen liegt, soviel Menschen wie möglich an dem sonnigen
Glücke teilnehmen zu lassen, welches ich meinem Glauben verdanke. Und sodann bin
ich jetzt beim Bir Hilu überzeugt, dass viele meiner Leser unser Zusammentreffen
mit den beiden Beni Lam und unser Gespräch mit ihnen für Zufall halten werden,
aber es stand mit dem, was geschehen war und noch geschehen sollte, in so engem
Zusammenhange und grad der Umstand, dass ich die Beni Khalid nicht verraten
hatte, obgleich sie unsere Feinde waren und ihre Ablenkung von uns auf die Beni
Lam vom größten Vorteile für uns zu sein versprach, lieferte uns dann später den
augenfälligsten Beweis, dass eine jede Tat ihre guten oder bösen Folgen