wird euch wohl auch das gelingen; aber ihr habt es doch nur immer mit Stoff und Kraft zu tun; die Seele bleibt euch unerforscht. Vor dem Jenseits sinkt eure Wissenschaft, eure Gelehrsamkeit in sich zusammen, denn hier handelt es sich nicht um die irdische, sondern um die himmlische Erkenntnis, zu welcher nur der Glaube führt. Wisst ihr, was Glaube ist?« Er sprach diese Frage in verstärktem, aufforderndem Tone aus und richtete das Gesicht zu uns nieder, als ob er eine Antwort erwarte. Ich sagte darum, obgleich ich nicht wusste, ob ich ihn unterbrechen dürfe oder nicht: »Der Glaube ist das geistliche Sehen dessen, was das körperliche Auge nicht sieht.« Er gab weder eine Zustimmung noch einen Widerspruch, sondern sprach, als ob er meine Worte nicht gehört habe, weiter: »Dieses Wort hat bei euch nicht die volle Bedeutung des Begriffes, den es ausdrücken soll. Für das, was der Glaube ist, hat keine Erdensprache das richtige, den ganzen Sinn umfassende Wort. Das Wort Glaube bezeichnet bei euch eine Zuversicht ohne den tatsächlichen Beweis; aber bei denen, die nicht in irdischen Leibern wohnen, bedeutet der Glaube eine jeden Irrtum ausschliessende Überzeugung, welche auf der innigsten Vereinigung des Glaubenden mit dem Gegenstande des Glaubens beruht und darum nicht das Ergebnis eines auch nur eine Erdensekunde langen oder gar Jahrhunderte in Anspruch nehmenden Forschens ist. Darum steht der Glaube so unendlich hoch über der Wissenschaft. Könnte ich euch ein Beispiel geben, euch dies zu erklären! Hier sitzest du, Hadschi Halef Omar, vor mir. Die Geliebte deines Herzens, Hanneh, ist dein Weib. Glaubst du das?« Der kleine Hadschi war so ganz Ohr, dass er sich zusammenraffen musste, um zu antworten: »Natürlich ist sie es!« »Sie wohnt bei dir; sie isst und trinkt mit dir; sie sorgt für dich; sie reitet jetzt mit dir durch die Wüste. Ist sie wirklich dein Weib?« »Alla l'Allah! Wehe dem, der mir das nicht glauben wollte, wenn ich es ihm sagte!« »Du glaubst es; das heißt, du weißt es. Keine Wirklichkeit steht für dich so sicher, so untrüglich bewiesen da wie diese. Da aber kommt der Kadi111 und fordert von dir Beweise. Du musst ihm nachweisen, wann und wo ihr geboren seid, wer eure Eltern waren, welchem Glauben ihr angehört, wessen Untertanen ihr euch nennt und an welchem Orte, zu welcher Zeit und vor welchen Zeugen ihr euch zu diesem Bunde vereinigt habt.« »Er soll nur wagen, zu kommen! Er muss glauben, dass - - -« »Sprich nicht vom Glauben bei ihm