verbeugen sich vor dem Greise - sehr tief verbeugen sie
sich.
Battany wird unwillig und will nun von einem Andern wissen, was die Religion
eigentlich will.
Wie da die Inder überlegen lächeln!
Doch ein sehr fein gekleideter Inder, der dem Gespräch bisher schweigend
zugehört, antwortet dem Battany folgendermaßen:
»Gelehrter Freund! Ich verstehe Deine Neugierde. Lass mich Dir antworten! Du
wirst mich ja ebenfalls nur missverstehen - doch vielleicht sag ich Dir, was Dir
näher kommt! Ich bin kein Priester und denke daher anders. Bist Du nicht der
Meinung, dass die gebildetsten Menschen der Erde grade infolge ihrer Bildung
schließlich eine übergrosse Empfindlichkeit in sich zur Ausbildung kommen lassen?
Oh, ja - ja! Und wenn sich diese Empfindlichkeit steigert, wird sie zur größten
Qual - erzeugt einen Zustand, der immer unerträglicher wird und zuletzt nach
entsetzlichen Beängstigungen, grauenhaften Träumen und wilden Wutausbrüchen -
einen Abscheu vor dem Leben gebiert. Oh, ja - ja! Um die Empfindlichkeit und die
darauf folgenden Qualen zu vernichten - dazu sind die Religionen da - das wollen
die Religionen den Gebildeten sein - wir haben sie drum auch nötig. Dem Volke
soll aber die Religion nur ein Mittel sein, das von ganz gemeinen Leiden erlöst
- die Religion fürs Volk kann daher aussehen, wie sie will - sie darf sich nur
nicht so trocken wie die Lehre Mohammeds geben. Jedes Mittel zur Vernichtung der
durch die verfeinerte Bildung erzeugten Seelenqual - gehört ins Gebiet der
Religion. Ob man betet oder dichtet, ob man Tempel baut oder Bilder meisselt -
das ist im Grunde ziemlich gleich - doch - es ist schlimm - Du verstehst mich
wohl auch nicht - nein?«
Battany schüttelt betrübt den Kopf.
Er - der große Astronom - steht plötzlich vor so vielen neuen Rätseln und
Fragen, dass er fast heftig werden möchte.
Als wenns nicht am Sternenhimmel genug der Rätsel gäbe.
Er sagt daher sehr kurz, dass er durchaus nicht geneigt sei, alle Rätsel der
Erde aufzulösen - er klammre sich zunächst nur an die für ihn begreifbaren Dinge
- die ferner liegende, »größere« Rätselwelt müsse für ihn noch unsichtbar
bleiben - er wolle sich nicht verwirren lassen.
Währenddem tanzen aber dicht unter der Terrasse hundert der schönsten
Bajaderen den langsam bewegten Schneckentanz.
Die Bajaderen sind ganz nackt.
Ihre gelben, wunderbar schlanken Glieder biegen sich in entzückenden Kurven,
roter Fackelschein macht sie bunt.
Die Blumenmädchen stehen mit ihren Fackeln im Kreise rum und beleuchten den
Tanz.
Battany ist ganz starr.
Der Tanz ist berauschend.
Wein wird herumgereicht.
Ein Sufy setzt dem arabischen Astronomen auseinander, wie viele Millionen
von Käfern und Schmetterlingen bei solchem Lampenfest einen qualvollen Tod
finden - wie viele kleine feine Flügel dabei verbrannt werden.
»Ein