den zwischen seiner Vergangenheit
und seiner Gegenwart liegenden Gegensatz empfinde - sein früherer
Feldjägerberuf, so nehme er an, habe ihn in die weite Welt hinausgeführt,
während er jetzt »stabiliert« sei. »Stabilierung« zählte zu Rex'
Lieblingswendungen und entstammte jenem sorglich ausgewählten Fremdwörterschatz,
den er sich - er hatte diese Dinge dienstlich zu bearbeiten gehabt - aus den
Erlassen König Friedrich Wilhelms I. angeeignet und mit in sein Aktendeutsch
herübergenommen hatte. Katzler, ein vorzüglicher Herr, aber auf dem Gebiete der
Konversation doch nur von einer oft unausreichenden Orientierungsfähigkeit, fand
sich in des Ministerialassessors etwas gedrechseltem Gedankengange nicht gleich
zurecht und war froh, als ihm der hellhörige, mittlerweile wieder frei gewordene
Pastor in der durch Rex aufgeworfenen Frage zu Hilfe kam. »Ich glaube
herauszuhören«, sagte Lorenzen, »dass Herr von Rex geneigt ist, dem Leben draußen
in der Welt vor dem in unsrer stillen Grafschaft den Vorzug zu geben. Ich weiß
aber nicht, ob wir ihm darin folgen können, ich nun schon gewiss nicht; aber auch
unser Herr Oberförster wird mutmasslich froh sein, seine vordem im Eisenbahncoupé
verbrachten Feldjägertage hinter sich zu haben. Es heißt freilich, im engen
Kreis verengert sich der Sinn, und in den meisten Fällen mag es zutreffen. Aber
doch nicht immer, und jedenfalls hat das Weltfremde bestimmte große Vorzüge.«
»Sie sprechen mir durchaus aus der Seele, Herr Pastor Lorenzen«, sagte Rex.
»Wenn es einen Augenblick vielleicht so klang, als ob der Globetrotter mein
Ideal sei, so bin ich sehr geneigt, mit mir handeln zu lassen. Aber etwas hat es
doch mit dem Auch-draußen-zu-Hause-Sein auf sich, und wenn Sie trotzdem für
Einsamkeit und Stille plädieren, so plädieren Sie wohl in eigener Sache. Denn wie
sich der Herr Oberförster aus der Welt zurückgezogen hat, so wohl auch Sie. Sie
sind beide darin, ganz individuell, einem Herzenszuge gefolgt, und vielleicht,
dass meine persönliche Neigung dieselben Wege ginge. Dennoch wird es andre geben,
die von einem solchen Sichzurückziehen aus der Welt nichts wissen wollen, die
vielleicht umgekehrt, statt in einem Sichhingeben an den einzelnen, in der
Beschäftigung mit einer Vielheit ihre Bestimmung finden. Ich glaube durch Freund
Stechlin zu wissen, welche Fragen Sie seit lange beschäftigen, und bitte, Sie
dazu beglückwünschen zu dürfen. Sie stehen in der christlich-sozialen Bewegung.
Aber nehmen Sie deren Schöpfer, der Ihnen persönlich vielleicht nahesteht, er
und sein Tun sprechen doch recht eigentlich für mich; sein Feld ist nicht
einzelne Seelsorge, nicht eine Landgemeinde, sondern eine Weltstadt. Stoeckers
Auftreten und seine Mission sind eine Widerlegung davon, dass das Schaffen im
Engen und Umgrenzten notwendig das Segensreichere sein