Hildegard und auch für mich...«
»... Soll aber ein andrer Plan damit verfolgt werden, und du hast mir
zugestanden, dass dies der Fall ist, so muss das, so wünschenswert solche zweite
Familienverbindung ganz unzweifelhaft auch für die Treibels sein würde, so muss
das unter Verhältnissen geschehen, die den Charakter des Natürlichen und
Ungezwungenen haben. Lädst du Hildegard ein und führt das, sagen wir einen Monat
später oder zwei, zur Verlobung mit Leopold, so haben wir genau das, was ich den
natürlichen und ungezwungenen Weg nenne; schreibt aber meine Mama den
Einladungsbrief an Hildegard und spricht sie darin aus, wie glücklich sie sein
würde, die Schwester ihrer lieben Helene recht, recht lange bei sich zu sehen
und sich des Glücks der Geschwister mitfreuen zu können, so drückt sich darin
ziemlich unverblümt eine Huldigung und ein aufrichtiges Sichbemühen um deine
Schwester Hildegard aus, und das will die Firma Treibel vermeiden.«
»Und das billigst du?«
»Ja.«
»Nun, das ist wenigstens deutlich. Aber weil es deutlich ist, darum ist es
noch nicht richtig. Alles, wenn ich dich recht verstehe, dreht sich also um die
Frage, wer den ersten Schritt zu tun habe.«
Otto nickte.
»Nun, wenn dem so ist, warum wollen die Treibels sich sträuben, diesen
ersten Schritt zu tun? Warum, frage ich. Solange die Welt steht, ist der
Bräutigam oder der Liebhaber der, der wirbt...«
»Gewiss, liebe Helene. Aber bis zum Werben sind wir noch nicht. Vorläufig
handelt es sich noch um Einleitungen, um ein Brückenbauen, und dies Brückenbauen
ist an denen, die das größere Interesse daran haben.«
»Ah«, lachte Helene. »Wir, die Munks... und das größere Interesse! Otto, das
hättest du nicht sagen sollen, nicht weil es mich und meine Familie herabsetzt,
sondern weil es die ganze Treibelei und dich an der Spitze mit einem Ridikül
ausstattet, das dem Respekt, den die Männer doch beständig beanspruchen, nicht
allzu vorteilhaft ist. Ja, Freund, du forderst mich heraus, und so will ich dir
denn offen sagen, auf eurer Seite liegt Interesse, Gewinn, Ehre. Und dass ihr das
empfindet, das müsst ihr eben bezeugen, dem müsst ihr einen nicht
misszuverstehenden Ausdruck geben. Das ist der erste Schritt, von dem ich
gesprochen. Und da ich mal bei Bekenntnissen bin, so lass mich dir sagen, Otto,
dass diese Dinge, neben ihrer ernsten und geschäftlichen Seite, doch auch noch
eine persönliche Seite haben und dass es dir, so nehm ich vorläufig an, nicht in
den Sinn kommen