Mannes aufwies - eine seiner Eigentümlichkeiten, in welche ich mich zuerst verliebt hatte - sondern weil sie mir, im Vergleich zu der in Österreich üblichen Redeweise, ein höheres Bildungsniveau zu bekunden schien; oder vielmehr, nicht nur schien, sondern in der Tat bekundete. Grammatikalische Verstösse, wie solche die Umgangssprache der besseren wiener Kreise verunstalten, kommen in der guten berliner Gesellschaft nicht vor. Die preußische Verwechselung des Dativ und Accusativ: »Gib mich einen Federhut« bleibt auf die unteren Klassen beschränkt, während die in Wien üblichen Kasus-Fehler: »Ohne Dir« - »Mit die Kinder« häufig genug in den ersten Salons gehört werden. »Gemütlich mögen wir immerhin unsere Sprache nennen und dieselbe von den Ausländern auch so befunden werden lassen - eine Inferiorität stellt sie jedenfalls vor. Wenn man Menschenwert nach der Bildungsstufe misst - und welchen richtigeren Maßstab gäb' es wohl, als diesen? - so ist der Norddeutsche um ein Stückchen mehr Mensch, als der Süddeutsche - ein Ausspruch, der im Munde eines Preußen sehr »arrogant« klänge, und aus der Feder einer Österreicherin sehr »unpatriotisch« erscheinen mag; - aber wie selten gibt es eine ausgesprochene Wahrheit, die nicht irgendwo oder irgendwen verletzte ... Unser erster Besuch in Berlin - nachdem wir auf dem Friedhofe gewesen - galt der Schwester der Verstorbenen. Aus der Liebenswürdigkeit und geistigen Bedeutendheit dieser Frau konnte ich schließen, wie liebenswürdig und bedeutend Friedrichs Mutter gewesen sein musste, wenn sie Frau Kornelie von Tessow glich. Letztere war die Witwe eines preußischen Generals und besaß einen einzigen Sohn, welcher damals eben Lieutenant geworden war. Einem schöneren Jüngling wie diesem Gottfried von Tessow bin ich in meinem ganzen Leben nicht begegnet. Rührend anzusehen war es, wie Mutter und Sohn an einander hingen; auch darin schien Frau Kornelie Ähnlichkeit mit ihrer verstorbenen Schwester gehabt zu haben. Wenn ich den Stolz sah, welchen sie augenscheinlich in Gottfried setzte, und die Zärtlichkeit, mit welcher dieser seine Mutter behandelte, so freute ich mich schon in Gedanken auf die Zeit, wo mein Sohn Rudolf erwachsen sein würde. Nur eines konnte ich nicht begreifen, und ich äußerte dies auch zu meinem Manne: »Wie kann eine Mutter ihr einziges Kind, ihr Kleinod, einen so gefährlichen Beruf ergreifen lassen, wie den militärischen?« »Es gibt einfach Gedanken, liebes Herz,« antwortete mir Friedrich, »die niemand denkt, naheliegende Erwägungen, die niemand anstellt. Ein solcher Gedanke ist die Gefährlichkeit des Soldatenberufes. Den lässt man nicht aufkommen: es liegt - so meint man - eine Art Unanständigkeit und Feigheit darin, diese Erwägung in Betracht zu ziehen. Es wird als so selbstverständlich und unvermeidlich angenommen, dass diese Gefahr bestanden werden muss