Kriegs- und Heldenruhm So viel und wie ihr wollt verkünden, Nur schweigt von eurem Christentum, Gepredigt aus Kanonenschlünden. Bedürft ihr Proben eures Muts, So schlagt euch wie die Heiden weiland, Vergiesst so viel ihr müsst des Bluts, Nur redet nicht dabei vom Heiland. Noch gläubig schlägt das Türkenheer Die Schlacht zum Ruhme seines Allah, Wir haben keinen Odin mehr, Tot sind die Götter der Walhalla. Seid was ihr wollt, doch ganz und frei, Auf dieser Seite wie auf jener, Verhasst ist mir die Heuchelei Der kriegerischen Nazarener. Aber unser »kriegerischer Nazarener« sah nicht, was in meinem Geiste vorging; er ließ sich in seinem Redefluss nicht irre machen und als er sich empfahl, da hatte er das Bewusstsein, mich zweier Dinge überführt zu haben; dass der Krieg vom christlichen Standpunkte aus ein gerechtfertigter - und an und für sich eine köstliche Sache sei. Durch diesen rhetorischen Sieg seiner Berufspflicht nachgekommen zu sein und damit dem fremden Herrn Obersten einen beträchtlichen Dienst erwiesen zu haben, war ihm sichtlich sehr befriedigend, denn als er sich zum Gehen erhob und wir ihm unseren Dank für die bereitwillige Bemühung aussprachen, erwiderte er abwehrend: »Es ist an mir, Ihnen zu danken, mir die Gelegenheit geboten zu haben, durch mein schwaches Wort, dessen ganze Wirksamkeit dem vielfach herangezogenen Worte Gottes zuzuschreiben ist, solche Zweifel zu verscheuchen, welche sowohl der Christin, als der Soldatenfrau nur quälend sein mussten. Der Friede sei mit Ihnen!« »Ach!« stöhnte ich, nachdem er sich entfernt hatte, »das war eine Qual!« »Ja, das war es,« bestätigte Friedrich. »Besonders unsere Unaufrichtigkeit war mir nicht behaglich - die falsche Voraussetzung nämlich, unter welcher wir ihn zur Entfaltung seiner Beredsamkeit bewogen haben. Einen Augenblick drängte es mich, ihm zu sagen: Halten Sie ein, hochwürdiger Herr, ich selber hege die gleichen Ansichten gegen den Krieg, wie meine Frau, und was Sie sprechen, soll mir nur dazu dienen, die Schwäche Ihrer Argumente näher zu untersuchen. Aber ich schwieg. Wozu eines redlichen Mannes Überzeugung - eine Überzeugung, die noch dazu die Grundlage seines Lebensberufes ist - verletzen?« »Überzeugung? - bist Du dessen sicher? Glaubt er wirklich die Wahrheit zu sprechen, oder betört er seine Soldatengemeinde absichtlich, wenn er ihr den sicheren Sieg verspricht, durch den Beistand eines Gottes, von dem er doch wissen muss, dass er von dem Feinde gerade so angerufen wird? Diese Berufungen auf »unser Volk«, auf »unsere«, als die einzig gerechte Sache, die zugleich Gottes Sache ist, die waren doch nur möglich zu einer Zeit, da ein Volk von allen übrigen Völkern