einmal Pytius! Wenn Sie im Altertum, zu Zeiten Frau
oder Fräulein Pytia's gelebt hätten, Herr Doctor, - ich bin fest überzeugt: aus
Ihnen und jener ehrenwerten Dame wäre ein Paar geworden ...« scherzte Lydia
lachend.
»Meinen Sie, gnädige Frau? - Ob aber die Koncordanz immer addirt -?«
»Himmlischer Vater! Nun fehlt bloß noch das Multipliciren und Dividiren ...
Die armen vier Spezies! -«
Hedwig konnte sich nicht mehr verbergen, dass Adam sie jetzt interessierte.
Und sie musste sich gestehen, dass sie in ihrem Denken und Fühlen diesem
merkwürdigen Kauseur unter den Anwesenden jedenfalls am Nächsten stände. Das
machte sie immerhin eine Idee stolz und befriedigte sie. Tiefer in Anspruch
genommen wurde sie allerdings auch kaum, es war ihr nur lieb, dass in das
Gespräch einmal ein paar kühnere, neuere Töne hineinklangen.
»Sie scheinen nicht gerade religiös zu sein, Herr Doctor-?« interpellirte
jetzt Oettinger Adam.
»Religiös? Sie etwa, Herr Referendar-?« fragte Adam barsch entgegen.
»Ich - ich schmeichle mir allerdings, mein Herr, in gewissem Sinne religiös
zu sein - ja! Gott sei Dank! noch religiös zu sein -« gab Oettinger etwas von
oben herab zur Antwort.
»Na! das ist kennzeichnend -: in gewissem Sinne - hm!« -
Herr Quöck wurde unruhig: »Prosit, meine Herrschaften!« Die Gläser klangen
wieder einmal zusammen. Und wieder ließ Lydia das ihrige zuerst an das Adams
tönen.
Dieser hatte plötzlich die ganze Situation, zumal sein Verhältnis zu Frau
Lange, klar erfasst und wandte sich jetzt mit einer auffälligen Wendung zu Hedwig
hin ... und zwar so beklemmend nahe, als wollte er dieser Dame Etwas ins Ohr
flüstern. Hedwig sah verwundert auf. Ihre Brauen zogen sich zusammen. Verstand
sie das Manöver -?
»Ich muh doch bitten, Herr Doctor -« nahm Oettinger das Gespräch wieder auf.
»Um was -?« flegelte Adam.
»Ja! . Aber ... Gewiss bin ich religiös ... wenn auch - - wie ich mir schon
einmal zu bemerken erlaubte -: in erster Linie bin ich conservativ - und dieser
Standpunkt schließt ja ein mehr oder weniger intimes Verhältnis zu den Satzungen
der Landeskirche ganz von selber ein - - ich klebe durchaus nicht am Dogma -
gehe sogar so weit, in gewissem Sinne - verzeihen Sie! - nun! wie soll ich
sagen? - ja! - frei - vielleicht modern zu sein - es ist wahr: ich besuche
selten die Kirche - vertrete aber als Jurist, als Gesetzeshüter, ganz
entschieden die Ansicht, dass die Masse der Religion bedarf - und sollte