ähnlich, fand. Die angeblichen Patriarchenknochen und Hünengebeine wurden als Reste fossiler Tiere dem Studium der Anatomie unterworfen. Und jetzt verbreitete sich die allgemeine Verehrung Darwins, die Lehre von der unbeirrten regelmäßigen Entwickelung. Hier erschloss sich dem Geiste des einsamen Gottsuchers ein so unendlicher Horizont, dass er erschauernd und gleichsam atemlos innehielt. Erst allmählich begann er jetzt, an der leitenden Hand neuster Forscher, die. ganze Größe dieser Wahrheiten zu erfassen. Die Astronomie ist längst im Stande, wichtige planetarische Ereignisse viele Jahre vorherzusagen. Und werden nicht einst unsre Vorhersagungen in andern Dingen ebenso genau eintreffen, sobald die gesammte Wissenschaft ähnlich fortschritt? Gleichförmige Regelmäßigkeit in allen Naturbewegungen - welch ein unergründliches Gebiet der Spekulation! Lange ehe Menschen waren, lange ehe dieser Planet sich geformt, herrschte die gleiche unerfassliche Ordnung. Nun drang auch die Zoologie durch vergleichende Anatomie in das Zellengewebe des menschlichen Organismus ein und gründete erst die eigentliche Physiologie, wozu nunmehr auch die Botanik beitrug. Man erkannte das Doppelleben des Menschen, das organische und das animalische. Ersteres, welches er mit der Pflanze gemein hat, bedingt Erschaffung und Zerstörung, nämlich: Verdauung, Circulation, Ernährung - Ausatmung, Ausdünstung, Verbrennung. Von dem Tierleben aber leitet er Bewegung, Gefühl und Urteil her, d.h. Bewusstsein. Die Organe dieses tierischen Lebens sind absolut symmetrisch und sämtlich doppelt, die des pflanzlichen Lebens hingegen außerordentlich verschieden und an sich einzeln. Das Pflanzenleben schläft nie in uns. Die doppelten animalischen Organe aber gestatten uns zu ruhen und abzuwechseln, und gerade hierdurch verbessern und entwickeln sich allmählich die Functionen, vom ersten Naturschrei des Kindes bis zur ausgebildeten Gedankensprache. Selbst die Mineralogie drang jetzt zu den glänzendsten Resultaten vor, indem sie sich mit der Geometrie verknüpfte und alle Abweichungen der Symmetrie der mathematischen Berechnung unterwarf. Die wunderlichsten Formen erschienen von jetztab als natürliche Entwickelungsfolgen. So gibt es also in keinem Reich der Natur die Möglichkeit einer Unordnung und alles, was geschieht, steht unter festen Gesetzen. Und dies Prinzip musste man nun wohl oder übel auch auf das Geistige an wenden. Die Abweichungen des menschlichen Geistes, z.B. der Wahnsinn und das Genie, werden von eben so unfehlbaren Gesetzen bestimmt, als der Zustand der toten Materie. Unter gewissen Bedingungen tritt das Phänomen des Genies oder des Wahnsinns unausbleiblich ein. So wird man das Materielle und Immaterielle im zwanzigsten Jahrhundert im Studium zu verknüpfen lernen, wovon wir heute noch entfernt sind. Der Zusammenhang dieser naturwissenschaftlichen Forschungen mit der socialen Empörung, welche man die Große Revolution nennt, lag aber klar vor Augen in der allgemeinen Sehnsucht nach Verbesserung und Unzufriedenheit mit der früheren Stagnation. Wie und zeigen sich nicht genau die gleichen Symptome heut am Ende des neunzehnten Jahrhunderts? Wenn im siebzehnten Jahrhundert