an der
Blüte des Volkes üben zu können, mit einer Unverletzlichkeit, die sich bei der
späteren Metamorphose in den »Schutzmann« durch die bei uns sprüchwörtlichen
Dienst-Meineide fortsetzen darf, - diese Betrachtung selbst wirkt empörend und
entsittlichend: Es ist eine feierliche Erklärung der Menschen-Nichtrechte, der
brutalen Gewalt. Alle Beispiele von Tyrannei wirken stets demoralisirend auf die
Schwachen und Gedankenlosen.
»Militarismus!« Hat man denn wohl bedacht, dass von einem solchen überhaupt
erst bei der allgemeinen Wehrpflicht die Rede sein kann? Wer eine Armee von
Mietlingen mit der Peitsche drillt wie die Engländer, hat dazu das völlige
Recht. Wer sich als Vieh verkauft, mag so gehalten werden. Dass allerdings die
Mietlingsarmee Napoleons III. ohne solch entehrende »Disziplin« eine
unvergleichlich bessere wurde, ist auch ein Factum. Aber von einem entehrenden
Militairzwang kann doch überhaupt erst geredet werden, wo Freiwillige, die
höchstgebildeten Elemente des Landes, sich derselben entehrenden Behandlung
unterziehen müssen.
Aber lassen wir diesen braven Handlanger der Autoritätssclaverei, den
Unteroffizier mit seinen Ohrfeigen und Bestechungen, den Polizisten mit seinen
Ohrfeigen und amtlich patentirten Meineiden! Unsre ganze Aufmerksamkeit wollen
wir jetzt einem viel gefährlicheren Feinde gesunder Entwickelung, einem viel
berühmteren Eckpfeiler des Deutschtums zuwenden. Dieser Charakter ist ein
wesentlich verschiedener. Denn obwohl die eigentümlichen socialen Verhältnisse
es mit sich brachten, dass in diesem hochgeachteten Stande sich das niedrige
Strebertum mit besonderer Üppigkeit entfalten konnte, so wird man im
Allgemeinen den deutschen Schullehrer wohl für einen höchst pflichttreuen, und
mit Geist und Wissen wohlversehenen Mann ansehen dürfen, der in mancher Hinsicht
eine Zierde der Nation repräsentirt. Nicht er ist es, dessen verderblichen
Einfluss wir hier signaliren möchten, sondern sein System. Wir verschmähen es, in
boshaft satirischer Weise zu zergliedern, wie dies ohnehin verderbliche System
durch pädagogische Unfähigkeit nur zu oft verschlimmert wird. Wir verzichten
ebenso auf Illustrirung des berühmten Schubart'schen Verses: »Als Dionys von
Syrakus aufhören muss Tyrann zu sein, da ward er ein Schulmeisterlein.«
Wir lassen alle und jede Rancune gegen die oft unlautern Elemente dieses
Standes bei Seite, welchem sich bei uns die Meisten nur darum widmen, weil er
zuerst zu Brod verhilft. Denn während Juristen erst mit dreißig Jahren Besoldung
erzielen können, ist dies als Schullehrer zu Beginn der zwanziger Jahre möglich.
Wir wollen nicht näher auf die Tatsache eingehen, dass dieser Beruf wie kein
andrer dummdreiste Arroganz ausbildet. Noch wollen wir das bekannte Faktum
erörtern, dass bei uns die gräulichsten Streber, sei es als reactionäre
Speichellecker, sei es als fortschrittliche Spekulanten, sich aus diesen Kreisen
recrutiren. - Uns selbst ist der Beruf des Pädagogen der höchste und heiligste,
aber darum auch verantwortlichste. Und gerade darum sei es erlaubt, ein wenig
über die