seine Stola und sprach nach einigem Bedenken
auf dies schmerzlich entschiedene Wort:
O ihr Heiligen! Sie geben Ihrem Zustand vielleicht viel schneller einen
Namen, als Sie ihn noch ergründet haben! Sie hatten sich des religiösen Lebens
vielleicht nur entwöhnt. Plötzlich drängt Sie irgendeine Stimmung zu ihm zurück
und nun erschrecken Sie, nicht mehr alles so zu lieben und zu glauben, wie Sie
in Ihrer Kindheit es liebten und glaubten. Machen Sie doch diese Rückkehr nicht
zu übereilt! Vor der Feuertaufe des Herrn kam die Wassertaufe des Johannes!
Legen Sie sich doch erst Übungen zum Übergange auf! Keine Geisselung des
Körpers, keine Entbehrung Ihrer Sinne, nur eine gewisse Ascetik des Denkens.
Sehen Sie, gewöhnen Sie sich einfach, überall den Finger Gottes zu suchen.
Nehmen Sie nichts mehr, was Ihnen begegnet oder was Sie vom Schicksal anderer,
ja vom Leben der ganzen Welt in Erfahrung bringen, in dem leichten Sinne, der
nur die Erscheinung als solche betrachtet. Streben Sie vielmehr danach, alle
Erfahrungen, die Sie machen, zu verbinden, ihren geheimen Sinn und Zusammenhang
zu ergründen, ihrer Folgerichtigkeit nachzuspüren und nennen Sie dann das, was
Sie sonst in der Sprache des Denkens Zufall, Ungefähr, Wille, eigene Absicht
nannten, einfach und kurzweg Gott. Wenn Sie diese Begegnung Gottes in kleinen
Dingen stündlich suchten, würde das Aberglaube werden. Aberglaube kann es sein,
die ganze majestätische Größe Gottes immer auch bei kleinen Leiden und Freuden
sich gegenwärtig zu denken. Aber jenen Fusstapfen der wandelnden Gottheit
nachgehen, die in Ernstem und Wichtigem liegen, gibt Erhebung. Sie werden
staunen, wo Sie überall diese Schritte abgedrückt finden, wenn Sie nur erst
anfangen, für alles das, was die Welt gleichsam namenlos hinstellt, gleichsam
mit einem »Man« einführt oder mit einem »Es« (»es wird sich zeigen«) oder sonst
mit einer Form der reinen Genüge des Menschen an sich selbst, den Herrn der Welt
einzuführen. Versuchen Sie das! Zu einem Gott sich erheben, der außer uns und
unendlich hoch über uns wohnt, ist allerdings schwer; denn je näher wir ihm da
zu kommen suchen, desto entfernter rückt er. Nehmen Sie also Gott zu Ihrem
steten Begleiter, nur dass er einige Schritte vorangeht, nicht immer Ihnen zur
Seite, nehmen Sie ihn zum Erfüller aller der Pausen, die Ihnen das Leben lässt,
zu der zweiten Person, die in Ihrem Gewissen mit Ihnen redet, zu dem
unsichtbaren Freunde, der in einem dunkeln Zimmer, wo Sie über irgendein
Vorhaben brüten, mit Ihnen Rat hält! Ist das von Ihnen eine Zeit lang versucht
worden, so werden Sie auch allmählich wieder anfangen, christgläubig und
kirchlich zu denken.
Es wäre also der umgekehrte Weg