empfinden zu
können. Diese Empfindung als Empfindung kann aber der Mensch nicht erkennen, er
kann sie nicht betrachten, weil sie sich den Sinnen entzieht; allein die Tiere
machen in Folge dieser Vorempfindung Anstalten für ihre Zukunft, und diese
Anstalten kann der Mensch betrachten und daraus Schlüsse ziehen. Es gibt einige,
die ihre Nahrung finden, wenn es feucht ist, andere verlieren sie in diesem
Falle. Manche müssen ihren Leib vor Regen bergen, manche ihre Brut in Sicherheit
bringen. Viele müssen ihre für den Augenblick aufgeschlagene Wohnung verlassen
oder eine andere Arbeit suchen. Da nun die Vorempfindung gewiss sein muss, wenn
die daraus folgende Handlung zur Sicherung führen soll, da die Nerven schon
berührt werden, wenn noch alle menschlichen wissenschaftlichen Werkzeuge
schweigen, so kann eine Voraussage über das Wetter, die auf eine genaue
Betrachtung der Handlungen der Tiere gegründet ist, mehr Anhalt gewähren, als
die aus allen wissenschaftlichen Werkzeugen zusammen genommen.«
»Ihr eröffnet da eine neue Richtung.«
»Die Menschen haben darin schon vieles erfahren. Die besten Wetterkenner
sind die Insekten und überhaupt die kleinen Tiere. Sie sind aber viel schwerer
zu beobachten, da sie, wenn man dies tun will, nicht leicht zu finden sind, und
da man ihre Handlungen auch nicht immer leicht versteht. Aber von kleineren
Tieren hängen oft größere ab, deren Speise jene sind, und die Handlungen
kleinerer Tiere haben Handlungen größerer zur Folge, welche der Mensch leichter
überblickt. Freilich steht da ein Schluss in der Mitte, der die Gefahr zu irren
größer macht, als sie bei der unmittelbaren Betrachtung und der gleichsam
redenden Tatsache ist. Warum, damit ich ein Beispiel anfahre, steigt der
Laubfrosch tiefer, wenn Regen folgen soll, warum fliegt die Schwalbe niedriger
und springt der Fisch aus dem Wasser? Die Gefahr zu irren wird wohl bei
oftmaliger Wiederholung der Beobachtung und bei sorglicher Vergleichung
geringer; aber das Sicherste bleiben immer die Herden der kleinen Tiere. Das
habt Ihr gewiss schon gehört, dass die Spinnen Wetterverkündiger sind, und dass die
Ameisen den Regen vorher sagen. Man muss das Leben dieser kleinen Dinge
betrachten, ihre häuslichen Einrichtungen anschauen, oft zu ihnen kommen, sehen,
wie sie ihre Zeit hinbringen, erforschen, welche Grenzen ihre Gebiete haben,
welche die Bedingungen ihres Glückes sind, und wie sie denselben nachkommen.
Darum wissen Jäger, Holzhauer und Menschen, welche einsam sind und zur
Betrachtung dieses abgesonderten Lebens aufgefordert werden, das meiste von
diesen Dingen, und wie aus dem Benehmen von Tieren das Wetter vorherzusagen ist.
Es gehört aber wie zu allem auch Liebe dazu.«
»Hier ist der Sitz,« unterbrach er sich, »von welchem ich früher gesprochen
habe. Hier ist die schönste Linde meines Gartens