es nicht immer erkannt, und fängt erst jetzt an, es wieder ein wenig einzusehen.
Ich weiß nicht, ob ich es Rührung oder Schwermut nennen soll, was ich empfinde,
wenn ich daran denke, dass unsere Voreltern ihre größten und umfassendsten Werke
nicht vollendet haben. Sie mussten auf eine solche Ewigkeit des
Schönheitsgefühles gerechnet haben, dass sie überzeugt waren, die Nachwelt werde
an dem weiter bauen, was sie angefangen haben. Ihre unfertigen Kirchen stehen
wie Fremdlinge in unserer Zeit. Wir haben sie nicht mehr empfunden, oder haben
sie durch hässliche Aftergebilde verunstaltet. Ich möchte jung sein, wenn eine
Zeit kommt, in welcher in unserem Vaterlande das Gefühl für diese Anfänge so
groß wird, dass es die Mittel zusammenbringt, diese Anfänge weiter zu führen. Die
Mittel sind vorhanden, nur werden sie auf etwas anderes angewendet, so wie man
diese Bauwerke nicht aus Mangel der Mittel unvollendet ließ, sondern aus anderen
Gründen.«
Ich sagte nach diesen Worten, dass ich in dem berührten Punkte weniger
unterrichtet sei; aber in einem anderen Punkte könnte ich vielleicht etwas
sagen, nämlich in Hinsicht der Zeichnungen. »Ich habe durch längere Zeit her
Pflanzen, Steine, Tiere und andere Dinge gezeichnet, habe mich sehr geübt, und
dürfte daher etwa ein Urteil wagen können. Diese Zeichnungen erscheinen mir in
Reinheit der Linien, in Richtigkeit des Perspektives, in kluger Hinstellung
Jedes Körperteiles und in passender Anwendung der Farben als ganz vortrefflich,
und ich fühle mich gedrungen, dieses zu sagen.«
Der Meister sagte zu diesem Lobe nichts, sondern er senkte den Blick zu
Boden, meinen Gastfreund aber schien mein Urteil zu freuen.
Er bedeutete den Meister, die Mappe zusammen zu binden und in die Lade zu
legen, was auch geschah.
Wir gingen von diesem Zimmer in die weiteren Räume des Schreinerhauses. Als
wir Über die Schwelle schritten, dachte ich, dass ich von altertümlichen
Gegenständen trotz der Sammlungen meines Vaters, von denen ich doch
lebenslänglich umgeben gewesen war, eigentlich bisher nicht viel verstanden habe
und erst lernen müsse.
Von dem Zimmer der Zeichnungen gingen wir in das Wohnzimmer des Meisters,
welches neben den gewöhnlichen Gerätstücken ebenfalls Zeichnungstische und
Staffeleien enthielt. Es war eben so freundlich eingerichtet wie das Zimmer der
Zeichnungen.
Auch die Zimmer der Gehilfen besuchten wir, und betraten dann die
Nebenräume. Es waren dies Räume, die zu verschiedenen Gegenständen, die eine
solche Anstalt fordert, notwendig sind. Der vorzüglichste war das Trockenhaus,
welches hinter der Schreinerei angebracht war, aus der man in die untere und
obere Abteilung desselben gelangen konnte. Es hatte den Zweck, dass in ihm alle
Gattungen von Holz, die man hier verarbeitete, jenen Zustand der Trockenheit
erreichen konnten, der in Geräten notwendig