in viele Orte und in ferne
Zeiten bringen kann, so sollte man ihm wohl die größte Aufmerksamkeit schenken.
Wenn er nicht einer gewissen, zu bestimmten Zeiten in Schwung kommenden Art
huldigt, sondern strebt, die Seele des Meisters, wie sie sich in dem Bilde
darstellt, wieder zu geben, wenn er nicht bloß die Stoffe, wie sie sich in dem
Bilde befinden, von der Zartheit des menschlichen Angesichtes und der
menschlichen Hände angefangen durch den Glanz der Seide und die Glätte des
Metalles bis zu der Rauhigkeit der Felsen und Teppiche herab, sondern auch sogar
die Farben, die der Maler angewendet hat, durch verschiedene, aber immer klare,
leicht geführte und schöngeschwungene Linien, die niemals unbedeutend, niemals
durch Absonderlichkeit auffallend sein, niemals einen bloßen Fleck bilden
dürfen, und die er zur Bemeisterung jedes neuen Gegenstandes neu erfinden kann,
darstellt: dann kann er zwar nicht der Malerei in ihren Wirkungen an die Seite
gesetzt werden, die sie auf ihre Beschauer geradehin ausübt, aber er kann ihr an
Kunstwirkung überhaupt als ebenbürtig erkannt werden, weil er auf eine größere
Zahl von Menschen wirkt, und bei denen, welche die nachgeahmten Gemälde nicht
sehen können, eine desto tiefere und vollere Kunstwirkung hervorbringt, je
tiefer und edler er selber ist. Dies habe ich bei meinem Gastfreunde in der
Zeit, als ich mit ihm in Verbindung war, immer mehr kennen gelernt, und dies ist
mir wieder besonders klar geworden, als die Kupferstiche durchgesehen wurden,
und als man über ihren Wert und über Mittel, Wege und Wirkung der
Kupferstecherkunst überhaupt sprach. Es wurde, da man die Einzelheiten der guten
Blätter genau untersucht und ihre Vorzüge und ihre Mängel sorglich besprochen
hatte, festgesetzt, dass man der guten Stücke willen die ganze Sammlung kaufen
wolle, wenn ihr Preis einen gewissen Betrag, den man anbot, und den man
gerechter und billiger Weise geben konnte, nicht überstiege. Die schlechten
Blätter wollte man dann vernichten, weil sie durch ihr Dasein eine gute Wirkung
nicht nur nicht hervorbringen, sondern das Gefühl dessen, der nichts Besseres
sieht, statt es zu heben, in eine rohere und verbildetere Richtung lenken, als
es nähme, wenn ihm nichts als die Gegenstände der Natur geboten würden. Den
Geist des Menschen, sagten die Männer, verunreinige falsche Kunst mehr als die
Unberührteit von jeder Kunst. Da es dämmerte, wurden die Kupferstiche in ihre
Behältnisse getan, der Tisch wurde wieder an seine Stelle gerückt, und wir
trennten uns.
Der Sturm hatte eher zu als ab genommen, und der Regen schlug in Strömen an
die Fenster.
Abends waren wir wieder in dem Arbeitszimmer meines Gastfreundes vereinigt,
nur Gustav fehlte, weil er sich in seinem Zimmer noch mit seiner Tagesaufgabe
beschäftigte. Ehe wir