, das Auge soll ihr dienen. In
Hinsicht der Farbgebung der Fernen riet er mir, dort, wo ich einen Zweifel
hätte, ob ich etwas sähe oder nur wisse, es lieber nicht anzugeben, und
überhaupt in der Farbe lieber unbestimmter als bestimmter zu sein, weil dadurch
die Gegenstände an Grossartigkeit gewinnen. Sie werden durch die Unbestimmteit
ferner und durch dieses allein größer. Durch Linien des Zeichnenstiftes auf dem
kleinen Papiere oder der kleinen Leinwand könne man nichts groß machen. Durch
Verdeutlichung werden die Körper näher gerückt und verkleinert. Wenn überhaupt
ein Fehler gegen die Genauigkeit gemacht werden müsse - und kein Mensch könne
Dinge, namentlich Landschaften, in ihrer völligen Wesenheit geben -, so sei es
besser, die Gegenstände großartiger und übersichtlicher zu geben, als in zu
viele einzelne Merkmale zerstreut. Das erste sei das Künstlerischer und
Wirksamere.
Ich sah sehr gut ein, was sie sagten, und wusste auch, woher die Fehler
kämen, von denen sie redeten. Ich hatte bisher alle Gegenstände in Hinblick auf
meine Wissenschaft gezeichnet, und in dieser waren Merkmale die Hauptsache.
Diese mussten in der Zeichnung ausgedrückt sein, und gerade die am schärfsten,
durch welche sich die Gegenstände von verwandten unterschieden. Selbst bei
meinem Zeichnen von Angesichtern hatte ich deren Linien, ihr Körperliches, ihre
Licht- und Schattenverteilung unmittelbar vor mir. Daher war mein Auge geübt,
selbst bei fernen Gegenständen das, was sie wirklich an sich hatten, zu sehen,
wenn es auch noch so undeutlich war, und dafür auf das, was ihnen durch Luft,
Licht und Dünste gegeben wurde, weniger zu achten, ja diese Dinge als
Hindernisse der Beobachtung eher weg zu denken, als zum Gegenstande der
Aufmerksamkeit zu machen. Durch das Urteil meiner Freunde wurde mir der Verstand
plötzlich geöffnet, dass ich das, was mir bisher immer als wesenlos erschienen
war, betrachten und kennen lernen müsse. Durch Luft, Licht, Dünste, Wolken,
durch nahe stehende andere Körper gewinnen die Gegenstände ein anderes Aussehen,
dieses müsse ich ergründen, und die veranlassenden Dinge müsse ich, wenn es mir
möglich wäre, so sehr zum Gegenstande meiner Wissenschaft machen, wie ich früher
die unmittelbar in die Augen springenden Merkmale gemacht hatte. Auf diese Weise
dürfte es zu erreichen sein, dass die Darstellung von Körpern gelänge, die in
einem Mittel und in einer Umgebung von anderen Körpern schwimmen. Ich sagte das
meinen Freunden, und sie billigten meinen Entschluss. Wenn der Nebel oder
überhaupt die trübe Jahreszeit einen Blick in die Ferne gestattete, wurde das,
was mit Worten gesagt wurde, auch an wirklichen Beispielen erörtert, und wir
sprachen über die Art und Weise, wie sich die entfernten Gebirge oder Teile von
ihnen oder näher gehende, von der