kann oder nicht zu können glaubt, ist wahrscheinlich eben das
Geheimnis seiner Lebenslage! Der freie Erwerb ist eine Sache, für welche manchen
Menschen der Sinn sehr spät, manchen gar nie aufgeht. Vielen ist es ein
einfacher Tick, dessen Verständnis ihnen durch ein Handumdrehen, durch Zufall
und Glück gekommen, vielen ist es eine langsam zu erringende Kunst. Wer nicht in
seiner Jugend durch Übung und Vorbild seiner Umgebung, sozusagen durch die
Überlieferung seines Geburtshauses, oder sonst im rechten Moment den rechten
Fleck erwischt, wo der Tick liegt, der muss manchmal bis in sein vierzigstes oder
funfzigstes Jahr ein umhergeworfener und bettelhafter Mensch sein, oft stirbt er
als ein sogenannter Lump. Viele Personen des Staates, welche zeitlebens tüchtige
Angestellte waren, haben keinen Begriff vom Erwerbe; denn alle öffentlich
Besoldeten bilden unter sich ein Phalansterium, sie teilen die Arbeit unter
sich, und jeder bezieht aus den allgemeinen Einkünften seinen Lebensbedarf ohne
weitere Sorge um Regen oder Sonnenschein, Misswachs, Krieg oder Frieden, Gelingen
oder Scheitern. Sie stehen so als eine ganz verschiedene Welt dem Volke
gegenüber, dessen öffentliche Einrichtung sie verwalten. Diese Welt hat für
solche, die von jeher darin lebten, etwas Entnervendes in bezug auf die
Erwerbsfähigkeit. Sie kennen die Arbeit, die Gewissenhaftigkeit, die
Sparsamkeit, aber sie wissen nicht, wie die runde Summe, welche sie als Lohn
erhalten, im Wind und Wetter der Konkurrenz zusammengekommen ist. Mancher ist
sein Leben lang ein fleißiger Richter und Exekutor in Geldsachen gewesen, der es
nie dazu brächte, einen Wechsel auf seinen Namen in Umlauf zu setzen. Wer essen
will, der soll auch arbeiten; ob aber der verdiente Lohn der Arbeit sicher und
ohne Sorgen sein oder ob er außer der einfachen Arbeit noch ein Ergebnis der
Sorge, des Geschickes und dadurch zum Gewinst werden soll, welches von beiden
das Vernünftige und von höherer Absicht dem Menschen Bestimmte sei das zu
entscheiden wage ich nicht, vielleicht wird es die Zukunft tun. Aber wir haben
beide Arten in unseren Zuständen und dadurch ein verworrenes Gemisch von
Abhängigkeit und Freiheit und von verschiedenen Anschauungen. Der Stattalter
glaubt sich abhängig und enthält sich während jeder Krise mit edlem Stolze
gleichmäßig aller eigenen Kundgebung und weiß dabei nicht einmal, wie viele sich
bemühen, hinter seinem Rücken seine innersten Gedanken zu erfahren, um sich
danach zu richten.«
Ich empfand eine große Teilnahme für den Stattalter und ehrte ihn
aufrichtig, ohne mir darüber Rechenschaft geben zu können; denn ich missbilligte
höchlich seine Scheu vor der Armut, und erst später ward es mir klar, dass er das
Schwerste gelöst habe eine gezwungene Stellung ganz so auszufüllen, als ob er
dazu allein gemacht wäre, ohne mürrisch oder gar gemein zu werden. Indessen
waren mir die Reden des