Wort an! Es ist die allerverzwickteste
Erfindung, welche der Menschengeist machen konnte in einer zugespitzten
Lammslaune! Wenn ich des Daseins Gottes und seiner Vorsehung bedürftig und gewiss
bin, wie entfernt ist dies Gefühl von dem, was man Glauben nennt! Wie sicher
weiß ich, dass die Vorsehung über mir geht gleich einem Stern am Himmel, der
seinen Gang tut, ob ich nach ihm sehe oder nicht nach ihm sehe. Gott weiß, denn
er ist allwissend, jeden Gedanken, der in meinem Innern aufsteigt, er kennt den
vorigen, aus welchem er hervorging, und sieht den folgenden, in welchen er
übergeht; er hat allen meinen Gedanken ihre Bahn gegeben, die ebenso
unausweichlich ist wie die Bahn der Sterne und der Weg des Blutes; ich kann also
wohl sagen ich will dies tun oder jenes lassen, ich will gut sein oder mich
darüber hinwegsetzen, und ich kann durch Treue und Übung es vollführen; ich kann
aber nie sagen ich will glauben oder nicht glauben; ich will mich einer Wahrheit
verschließen, oder ich will mich ihr öffnen! Ich kann nicht einmal bitten um.
Glauben, weil, was ich nicht einsehe, mir niemals wünschbar sein kann, weil ein
klares Unglück, das ich begreife, noch immer eine lebendige Luft zum Atmen für
mich ist, während eine Seligkeit, die ich nicht begriffe, Stickluft für meine
Seele wäre.
Dennoch liegt in dem Worte Der Glaube macht selig! etwas Tiefes und Wahres,
insofern es das Gefühl unschuldiger und naiver Zufriedenheit bezeichnet, welches
alle Menschen umfängt, wenn sie gern und leicht an das Gute, Schöne und
Merkwürdige glauben, gegenüber denjenigen, welche aus Dünkel und Verbissenheit
oder aus Selbstsucht alles in Frage stellen und bemäkeln, was ihnen als gut,
schön oder merkwürdig erzählt wird. Wo das religiöse Glauben bei mangelnder
Überlegungskraft seinen Grund in jener liebenswürdigen und gutmütigen
Leichtgläubigkeit hat, da sagt man mit Recht, es mache selig, und denjenigen
Unglauben, welcher aus der anderen Quelle herrührt, kann man billig unselig
nennen. Allein mit der eigentlichen dogmatischen Lehre vom Glauben haben beide
rein nichts zu tun; denn während es christlich Gläubige gibt, welche in allen
anderen Dingen die unangenehmsten Bezweifler und Bemäkler sind, gibt es ebenso
viele Ungläubige, sogar Ateisten, welche sonst an alles Hoffnungsvolle und
Erfreuliche mit allbereiter Leichtigkeit glauben, und es ist ein beliebtes
Argument der christlichen Polemiker, dass sie solchen höhnisch vorhalten, wie sie
jeden auffallenden Quark als bare Münze annähmen und sich von Illusionen
nährten, während sie nur das Große und Eine nicht glauben wollten. So haben wir
das komische Schauspiel, wie Menschen sich der abstraktesten aller Ideologien
hingeben, um nachher jeden, der an etwas erreichbar Gutes und Schönes glaubt,
einen Ideologen zu