Karten gezogen, störte eine
Nachricht, eine Person, die unerwartet hereinstürzte. Es war nun einmal Unruhe
in der Stadt, die mit dem besten Willen sich nicht bewältigen ließ. Man wusste
schon, dass das Heer jetzt wirklich auf den Kriegsfuss gesetzt werden solle. Wenn
man nur abgewartet hätte, bis die Mäntelgelder beisammen waren! hatte Madame
Braunbiegler gemeint; aber es waren noch nicht siebzigtausend Taler gesammelt.
- Und was hilft das Geld, wenn die Schneider fehlen! hatte der Legationsrat
gesagt. Da brachte Herr von Fuchsius eine Nachricht, welche alle bisherigen in
den Hintergrund drängte. Die Königin hatte endlich ihren Widerwillen gegen den
jungen Bovillard aufgegeben, er war ihr vorgestellt worden, sie hatte ihn gnädig
aufgenommen, sich günstig über ihn geäußert, zu Andern aber spitz gesagt, er
müsse wohl viele Feinde haben, da er ihr ganz anders geschildert worden. Er war
Tages darauf zum Legationssekretär, Andere meinten sogar zum Legationsrat
ernannt worden, beauftragt zu gewissen Vorträgen im Kabinet und in der
persönlichen Nähe der höchsten Herrschaften. Man war geteilter Meinung, ob
dahinter eine Intrigue des neuen Ministers stecke oder des alten Bovillard.
Fuchsius lächelte, als eine Dame mit einem andern: Wissen Sie schon?
hereinplatzte. Die Alltag ist zur Gesellschafterin der Viereck ernannt. Sie
zieht ins Palais! - Ins Palais! - Was das zu bedeuten hatte, darüber war Niemand
im Zweifel, als man auch von der gnädigen Audienz erfuhr, welche die Königin dem
schönen Mädchen gewährt. - »Nun wird's ja Alles klipp und klar. Ja, wer nur 'ne
hübsche Larve hat und Kounexionen, dem fehlt's nicht.«
So hatte Madame Braunbiegler gesagt. Madame Braunbiegler war ihrer Zeit eine
berühmte Persönlichkeit in Berlin, was man heut nennen würde ein öffentlicher
Charakter, von der sehr viele Dicta noch umgehen. Wenn der Raum unserer
Erzählung, die zu Ende geht, es erlaubte, hätte sie das Recht und die
Antwartschaft auf eine bedeutendere Rolle darin, als wir ihr angewiesen, aber
der Rahmen schließt sich, und die Rücksicht auf den deutschen Stil und die
Grammatik, die wir bis da nach unsern schwachen Kräften beachtet, verbietet uns,
ein Bild in den Vordergrund zu stellen, welches für viele Leser unverständlich
bliebe, ohne eine vorausgeschickte Abhandlung über den Mark-Brandenburgischen
Unterschied zwischen Mir und Mich. So genüge denn für dieses Mal - denn es ist
wohl möglich, dass wir ihr künftig wieder begegnen - ein Dictum, welches mit
stereotypischer Genauigkeit aus den Akten jener Zeit entnommen ist. Ex ungue
leonem. Madame Braunbiegler hatte das Gespräch über den betreffenden Gegenstand
mit den Worten geschlossen: »Denn heiratet er ihr och noch! Da gratulir' ich.
Er hat nischt und sie hat