seit Wochen war Egon ja gegen ihn der Alte nicht mehr. Seine Aufrichtigkeit hatte zu stocken angefangen. Dennoch wusste er, dass er bei Paulinen wie von seinen Erschöpfungen sich ausruhte, bei ihr sich in seiner natürlichen Art heiter und unbefangen gehen ließ und von Melanie's immer gleicher Laune und ihrer kleinen liebenswürdigen Gefallsucht höchst angenehm unterhalten wurde. Dass Ackermann von einem älteren Verhältnisse sprach, Louis nur von einem jüngeren wusste, kam in dem Druck der Tatsache selbst, die schwer genug auf Louis lastete, nicht zur Sprache. Auch die folgende Bemerkung Ackermann's, dass es dem Prinzen unter diesen Umständen viel Selbstüberwindung gekostet haben müsse, die Verwaltung seiner Güter ganz von dem Vater des schönen Mädchens zu trennen, kam nicht zu genauerer Erörterung; denn Louis wusste, wie weit der Terrorismus gehen konnte, mit dem sich Egon selber zügelte und sich bis zum Herzlosen auch darin bändigen konnte, dass er Melanien liebte und ihrem Vater dennoch darum nicht den geringsten Vorteil bot ... Das war ganz in Egon's Art. Ackermann konnte sich von den Nachforschungen über Egon nicht so bald trennen. Der Gedanke an den jungen Prinzen, den er so genau zu kennen glaubte, schien ihm von solchem Werte, dass er Louis nach allen Umständen seines jetzigen Lebens fast ausforschte. Als Louis seine Neugier befriedigt und ihm besonders von Egon's politischer Entwickelung erzählt hatte, ergriff Ackermann die Zeitung, die er bei Louis' Eintreten gelesen und sagte: Nach Dem, was ich von Ihnen und von ihm selbst weiß, überfällt mich da oft ein sonderbarer Zweifel, wenn ich seine Äußerungen in der Kammer lese. Ich finde ihn außerordentlich schroff. Er ist von seinen Überzeugungen erwärmt ... Er; aber diese Überzeugungen sind für Andere von einer, ich möchte sagen puritanischen Kälte. Es wird Ihnen nicht unbekannt sein, dass es in Frankreich eine politische Partei gab, die der Doctrinäre ... Ihre Politik compromittirte das Königtum. Egon ist nicht viel besser ... Er hasste jedoch immer die Politik der Professoren ... Es ist gar nicht gesagt, dass die Doctrinäre Professoren sein müssen; auch Kaufleute und Advokaten können es sein, wenn sie an bestimmten Doctrinen zu fest kleben und sie um jeden Preis geltend machen wollen. Die Politik der jetzigen Übergangszustände unserer Staaten ist keine Wissenschaft, sondern eine Kunst. Wer dem Geiste der Massen mit einer Lehre und sei es welche es wolle, entgegentritt, findet Widerspruch von allen Seiten. Ich fürchte sehr, dass sich Egon außer seinen politischen Gegnern, die an und für sich schon durch die Parteien und deren Interessen gegeben sind, auch noch die Teoretiker auf den Hals ladet. Kennen Sie diese Rede? Ich finde sie bereits