auf die Sophalehne legte - »wenn ich dennoch die Überzeugung ausspreche, dass Sie mich zu Ihrem Begleiter erwählen werden.« Es lag eine solche Sicherheit in dem, was er sagte, und zugleich eine solche Zartheit in dem, wie er es sagte, dass sie einen Augenblick in Verlegenheit geriet. Vielleicht trug selbst der Umstand, dass er ihr zu trotzen gewagt, dazu bei, ihm seinen Sieg zu erleichtern. Eben öffnete sie die Lippen, um ihm zu antworten, als Alice, ihr bis zum Rande gefülltes Glas erhebend, die Gesellschaft folgendermaßen anredete: »Meine Herren und Damen! Es ist so vielfältig und auch heute in unserm Kreise schon öfters von dem wahren Wesen der Frauen-Emanzipation gesprochen worden, ohne dass man, wie es mir schien, eigentlich darüber klar gewesen, weder wozu die Emanzipation diene, noch wozu man darüber spricht. Erlauben Sie mir hierbei die Bemerkung, dass gerade der männliche Teil der Gesellschaft sich diese Sache am meisten zu Herzen zu nehmen scheint, das heißt, am meisten darüber spricht, vielleicht weil er am wenigsten davon begreift. Mich will es bedünken, als müsse der Anfang zur wahren Emanzipation damit gemacht werden, dass man sich vom Hin- und Herreden darüber emanzipirt. Zwar hat auch die Emanzipation des Worts ihr Recht und man muss dafür kämpfen, ich gebe es zu, aber die wahre Emanzipation ist die Emanzipation der Tat. - Meine Herren und Damen! Wir wollen keine Wortelden werden, hoffe ich; geistreich zu sprechen und frei zu denken, ist ein Kinderspiel gegen geistreiches Handeln und freies Tun. Gibt es nicht Manche auch unter uns, die hinter dem freien Wort die praktische Impotenz verstecken? Man schlage an seine Brust und frage sich, ob z.B. die Furcht vor der Polizei für uns Alle schon eine überwundene Kategorie ist? Man schlage zerknirscht an seine Brust und bekehre sich. Ich aber erhebe mein Glas und rufe mit gutem Gewissen: Die Emanzipation der Tat soll leben!« - Ein allgemeiner Jubel folgte diesen mit sanfter Stimme und jenem melancholischen Patos, der Alice eigen war, vorgetragenen Worten. Nachdem der Sturm des Beifalls durch Leerung der Gläser etwas beschwichtigt war, fuhr sie in demselben Tone fort: »Ich hoffe, dass Sie mir nicht den Vorwurf machen werden, als sündige ich gegen mein eigenes Prinzip, indem ich jetzt doch über Emanzipation spreche. Es wäre eine Beleidigung, die ich nicht verdiene, denn ich habe, wie gesagt, ein gutes Gewissen. Meine Herren und Damen, ich glaube mir praktisch das Recht erworben zu haben, über Emanzipation zu sprechen. Oder sollte Jemand einen Zweifel dagegen erheben?« - Sie sah mit wahrhaft königlichem Stolz umher. Eine feierlich komische Stille