Sie haben es natürlich für Wahrheit gehalten.« »Warum nicht? - Sie sollten glauben gemacht werden, Alice hätte jenen Brief geschrieben, was aber nicht der Fall war.« »Wäre es gewesen, wie Sie sagen, so können Sie sich darauf verlassen, dass es aus der Absicht geschehen ist, entweder mich in April zu schicken - oder aber zu einer Rückkehr nach Deutschland zu veranlassen, die ich nachher zu bereuen hätte, wenn ich die Wahrheit hörte.« »Sie scheinen in der Tat den Charakter Alicens gut zu kennen« sagte der Baron mit einer tiefen Bitterkeit - »und weiter haben Sie Nichts von ihr und - ihm gehört?« »Ich habe Ihnen schon einmal erklärt, dass sie hier ist.« »Es ist wahr!« - rief er mit zitternder Stimme, indem seine Lippen bebten. »Wahr!« »Und er?« »Auch!« Mit leuchtenden Blicken sah er umher, als suche er den Gegenstand seiner Rache. Kornelia fasste ihn beim Arm. »Kommen Sie!« - sagte sie leise und bedeutungsvoll. Sie führte ihn bei diesen Worten in einen schmalen Seitenweg ein, der tiefer in die Mitte des Parks hineinführte. Schweigend und schnellen Schrittes gingen sie neben einander daher, ohne auf die sie umgebenden reizenden Anlagen auch nur einen flüchtigen Blick zu werfen. Ein klarer Bach, dessen Quelle nur einige Stunden weiter im Gebirge hinauf lag, durchströmte in mannichfachen Windungen den Park, auf beiden Ufern mit den herrlichsten Erlen- und Trauerweiden-Gruppen eingefasst. Zuweilen schimmerten auch anmutig geschwungene Brückenbogen mit durchbrochenem weißen Geländer durch das grüne Laubwerk, oder es klang das eintönige Rauschen einer kleinen bald natürlichen, bald künstlichen Kascade in das Ohr des einsamen Spaziergängers. Der größte Reiz aber bestand in der völligen Zwanglosigkeit und scheinbaren Unabsichtlichkeit, welche durch sämtliche Anlagen herrschte. Unbefangenen Gemütern, - das heißt solchen, die von der metodischen Entseelung, der wir durch die Zivilisation unterworfen werden, mehr oder minder unberührt geblieben sind und die daher das Goldkorn ihrer innersten Menschenwürde noch nicht aus dem Schacht ihres Herzens heraufgeholt und nach Außen getrieben haben, damit es sich als wertloser Goldschaum um ihre Oberfläche legt, um von denen da draußen bewundert, betastet und - abgegriffen zu werden, - allen solchen unbefangenen Gemütern muss der Anblick von Kunstanlagen, bei denen die Kunst gewöhnlich eben solchen entseelenden Einfluss ausübt, wie die Zivilisation auf die Menschen, notwendig ein peinliches, drückendes Gefühl erregen. Die abgezirkelten, mit gelbem Kies bestreuten Wege, die beschnittenen Hecken, die gespreizten Spaliere, Alles benimmt der freien Brust den Atem; denn der Geist fühlt sich gerade in der Freiheit, in der Unendlichkeit und Mannichfaltigkeit verwandt mit der Natur. Jede Beschränkung, jedes