Als ob von frischem
Frühlingswind angehaucht die Lebensglut aufflackert und spielend ihre Flamme
hier- und dorthin wirft; so ist's mit dem Geist. Sprachen lernen, ist mit dem
Geist der aufregendsten Tanzmusik folgend, sich behagen in harmonischen
Beugungen und zierlichen kecken labyrintischen Tänzen, und dies elektrisiert
den Geist, wie die Tanzmusik Deine Sinne elektrisiert. In der Sprache aber
vermählen sich die Sinne wirklich mit dem Geist, und aus dieser Verbindung
erzeugt sich denn, was die Völker mit Erstaunen als ihr höchstes Kleinod lieben
und erheben, und wodurch sie sich erhaben fühlen über andre Völker, was den
Charakter ausspricht ihrer Nationalität, nämlich der Dichter. Drum, liebes Kind,
ist's nicht so gemeint, wie die andern es meinen, wenn sie Dich zum Fleiß
anmahnen, - wenn ich Dich drum bitte; es ist wahrhaftig aus einem tieferen
Grund; aus dem heiligen Grund der Vernunft. Diese Vernunft, die immer über uns
schwebt, selten den Fuß auf die Erde setzt, nach der schaue ich beständig und
flehe sie an, dass sie Deine Muse soll sein. Dir kommt vielleicht das trocken
vor. Ich hab schon oft Dich zürnen hören über Vernunft und vernünftig, Du hast
dies Wort bei mir verklagt, dass es so wenig Klang als innerlichen Nachklang
habe, und wenn ich Dir auch nachgebe, dass der Klang dieses Wortes nichts
Anziehendes habe, was daher rühren mag, weil die Vernunftphilister es in
falschem Gold nachmachen, so erinnere Dich nur, was Du mir noch vor einem halben
Jahr geschrieben, die Pockengruben, die Lavater dem Mirabeau so bös auslegt,
können Dich nicht hindern, in die Gruben seines Geistes und Herzens Dich
einzubetten? - Nun so glaube mir, dass, wer im Begriff der Vernunft, ein edles
Lager findet, das mit Rosen und Lorbeern und auch mit Myrten Dir bestreut ist.
Das Missverständnis der Welt ist der wahre Verleumder, sein Lügennetz
verwickelt alle Hin- und Widerreden, alle sich aus gegenseitiger Opposition
bildenden Meinungen, und wer sich oder seinen Grundsätzen unrecht getan fühlt,
tut wieder dem unrecht, den er selbst durch Irritation so weit gebracht hat, dass
ihm die Ahnung in der Seele gelöscht ist vom Großen und Schönen, und betäubt
nicht mehr das Rechte erkennt. -
Aus Empörung gegen diese Missverständnisse gegenseitiger Opposition ist die
Revolution entsprungen, und aus Eigensucht derer, die für die höchste
Liberalität zu streiten behaupten, wird sie mit ihren schrecklichen Nachwehen,
eine schauerliche Ruine für die Nachwelt, dastehen. Aber gebessert kann nur das
ganze Weltverhältnis werden durch die heilige Vernunft, lass sie Dein Mirabeau
sein, wenn dieser Name Dir besser klingt. Widme ihm Deine Begeistrungen, da er
Dir doch nur aus den Wolken herabpredigen kann, so wird dies