der
Herzoginnen auch vorüber ging, ihr schien es dennoch schwer, zu folgen. Sie
wagte kaum den Blick vom Boden zu heben, und Jeder musste erkennen, dass ihre Füße
bebten. Als sie aber vor die Königin hintreten sollte, ward aus der scheinbaren
Kniebeugung fast ein gänzlicher Fussfall, und der Ceremonienmeister, Herr von
Dreux, musste sie auf einen Wink der Königin unterstützen. Da schlug sie die
wundervollen Augen zu dieser auf, die, sichtlich erweicht, ihr mild zuwinkte,
und ein Paar große glänzende Tränen rollten über ihre Wangen. dabei drückte sie
beide Hände mit dem rührendsten Ausdrucke von Ehrfurcht an ihre Brust und
schwebte dann wie eine Lufterscheinung den anderen Herzoginnen nach, die bereits
die Ehre ihres Tabourets genossen.
Alle Anwesende, und mit ihnen Leonin, waren gefesselt von ihrem Anblicke,
und jetzt erst, nachdem sie in der Menge sich fast verborgen hatte, fand Leonin
Worte.
»Wer ist diese bezaubernde Erscheinung, lieber Fenelon? Ich sah sie noch
nie!« -
»Aber sie hörten von ihr,« sprach Fenelon sanft, wenn auch ernst; »es ist
die unglückliche Lavallière, die heute zuerst als Herzogin hier erscheint.«
»Ha,« rief Leonin, »jetzt begreife ich! Dieser Zauberin muss Alles möglich
werden! Das ist Schönheit der Seele, des Gemütes - das ist nicht allein die
schöne Hülle!«
»So ist es in Wahrheit,« sagte Fenelon - »und wie beklagenswert ihr
Verhältnis auch ist, ermangelt es nicht einer rührenden und versöhnenden Seite,
die doch eben nur in diesem schönen Gemüte liegen kann, das, zur Tugend
geschaffen, selbst in seiner Verirrung noch ihr angehört.«
»Fast Alle urteilen so über diese reizende Frau,« rief Leonin - »und darin
liegt auch die Entschuldigung des Königs. Wer gibt uns das Recht, die zu
richten, die diesem Gefühle unterliegen, für dessen Stärke allein Gott die
Prüfung hat - das Jeder einmal zu kennen glaubt, ohne doch für den Andern ein
Maßstab zu sein!«
»Das ist zwar wahr,« sagte Fenelon - »aber es gibt immer noch etwas
Schöneres, als sich ihm hingeben; ihm entsagen nämlich - wenigstens entsagen für
die Welt - dann dürfen wir es wieder behalten. Die Liebe ist an sich Etwas - es
ist nicht der Besitz, das Hervortreten unserer Empfindung. Es ist das Glück, es
zu kennen - seinen höheren, wärmeren Pulsschlag zu fühlen und uns daran zu
zeitigen mit allen unseren Kräften.« -
In diesem Augenblicke rief die Königin die Herzogin von Bellefonds, die mit
ihrem weißen Stabe wie ein drohender Riese an den Stufen des Trones Wache
hielt; und als diese ihren Befehl empfangen, schritt sie mit unbarmherziger