mögen es mir glauben oder nicht: Die gute Seele von Nilpferd
spuckt mich auf der Stelle aus, wischt sich die Tränen aus den Augen ...«
»Womit? Womit?« rief der Baron.
» ... mit einem Palmblatte, welches die ehrliche Haut in die rechte
Vorderpfote nimmt; errötet, und rennt beschämt davon. So weit haben es
Vizekönigs schon in Ägypten gebracht, dass selbst die Hippopotamoi vor
literarischen Sommitäten Respekt bezeigen.«
»Ich meine, das Nilpferd nähre sich nur von Vegetabilien, nicht von
Fleisch«, wandte das Fräulein bescheiden ein.
»Es ist vermutlich kurzsichtig gewesen, und hat mich für eine Pflanze
angesehen«, antwortete der Freiherr. »Ich weiß, was ich weiß; ich habe im Rachen
drin gesteckt. Wahrheit muss Wahrheit bleiben, und ehrlich währt am längsten. Wo
blieb ich stehen? Ja, in Afrika. Warum soll ich Sie aber mit solchen
Kleinigkeiten aufhalten? Ich war bald afrikamüde, wie ich europamüde gewesen
war, beschloss daher nach Amerika zu reisen, vorher aber einen Abstecher nach
Deutschland und England zu machen, wohin mich verschiedene Gründe zuvor riefen.
Erstens hatte ich das Interessante und den Spleen etwas verlernt, und wollte
daher wieder in Berlin und in London meinen Kursus machen. In Afrika sind die
Leute gar nicht interessant, der Koran begünstigt diese Richtung nicht, eine
arabische Schnauze ist wie die andre, und was den Spleen betrifft, so vertreibt
den der Vizekönig von Ägypten durch die Bastonade; es gibt kein efficaceres
Mittel gegen Schwermut, als sie. Einmal hatte ich mich mit ihm etwas
brouilliert, wie das unter Freunden wohl kommen kann; da dachte ich an die
möglichen Folgen für die Fusssohlen, und von dem Gedanken schon war aller Spleen
weg, selbst bis auf die Erinnerung. Es kam zum Glücke nicht zu jenen Folgen, wir
versöhnten uns und aßen noch denselben Mittag Sauerkraut mit Schweineohren
zusammen, denn er ist ein aufgeklärter Türke, und will nächstens in einer
Schrift beweisen, dass Mahomet ein Produkt der Gläubigen sei. Wo blieb ich
stehen? Ja so; bei dem Spleen. Nun, das Interessante hatte ich aus Mangel an
Anschauungen in meiner Umgebung ebenfalls wieder eingebüßt. Ich musste also schon
deshalb nach Deutschland und England.
Diesmal war ich genötigt, in Berlin für den Unterricht im Interessanten eine
Bonne zu nehmen, die Mère Oye, der es im Rückblick auf Personen und Zustände
nicht gegangen war wie Lots Weibe bei einer ähnlichen Gelegenheit. Denn, anstatt
zur Salzsäule zu erstarren, war sie nur immer gesprächiger und merkurialischer
geworden. Viele Leute wollten der guten Mère und Kommère etwas am Zeuge flicken;
sie sagten, all ihr Geistreicheln und Interessantisieren sei doch purer
Waschschaum, aber ich