besonders auffielen. Es war weiter gar nichts Merkwürdiges an den beiden Alten. Gewöhnliche alte Weiber, wie es deren Tausende gibt, aber ihre Statur und Physiognomie machte dennoch einen unauslöschlichen Eindruck auf mich, so dass mir gleich damals klar wurde, ich würde sie wiedererkennen, wo und wann ich sie jemals sähe. Nach einigen Jahren und mehreren Schicksalen gelangte ich in dieses unser Städtlein, entschlossen, hier nunmehr für Lebenszeit zu rasten. Ich hörte sogleich von der Anlage und von dem Fortgange des Kernbeisserschen Etablissements und erbat mir natürlich unverweilt Zutritt zu dieser größten Sehenswürdigkeit des Ortes. Allein wie wurde mir, geliebte Erben, als mir der Herr der Anlage mit seinem Freunde entgegentrat! Ich meinte, der Boden schwanke unter meinen Füßen und das Haus tanze mir vor den Augen, denn man mag auf alles gefasst sein, wenn man zu frommen Wundertätern geht (sie haben uns an vieles gewöhnt); allein darauf ist man nicht gefasst, in zwei Männern der höheren Welt zwei alte Weiber wiederzuerkennen. Ja, meine Erben, es ist ausgesprochen, das große Wort des Rätsels. Wenn die Natur nicht das nur von Komödienschreibern erfundene Spiel der Menächmen nachahmt, wenn sie, die unerschöpflich erfindende Göttin jedem Exemplare, welches sie aus der Form wirft, einen Zug besonderer Ausstattung mitgibt, so habe ich mich nicht irren können, lebe vielmehr und will sterben in der Überzeugung: Die Herren Doktoren Kernbeisser und Eschenmichel sind zwei alte Weiber, die ich vor längerer Zeit im Juliusspitale zu Würzburg gesehen habe. Wie und wann sie aus demselben entkommen, auf welche Weise ihnen der Gedanke an das unter ihren Händen erblühte Etablissement geworden, das habe ich nicht erfahren können. Nur so viel lässt sich einsehen, dass sie, wenn sie ihre Rockenstubengeschichten für Wahrheiten verkaufen wollten, genötigt waren, Mannskleider anzulegen, ihren Diskant zum Bass zu verstellen, und überhaupt das zu scheinen, was sie nie waren. Das Geheimnis wäre sonach gegenwärtig hier deponiert, und damit hätte das ganze Legat seine vollständige Stiftung erhalten. Die frommen und süßen Seelen werden es ein lästerliches nennen; in meinem Sinne jedoch ist es recht eigentlich eins zu frommen Zwecken. Den Zufall aber ernenne ich zum Testamentsvollstrecker, und soll es von ihm abhangen, ob und wann dieser letzte Wille eröffnet und die Erbfolge nach demselben angetreten wird. Ich halte sehr viel vom Zufall, seit ich gesehen, welche erbärmliche Fratze die Menschen aus der Vorsehung machen. Es bestimmt mich auch noch ein anderer Grund. Ich weiß, dass im Rachen des Löwen Erbarmen wohnen kann und aus den Krallen des Tigers Rettung gefunden werden mag, dass aber keine Gnade ist bei den Propheten. Bei meinem Leben kommt es daher nicht heraus. Aber, wie ich meiner Nachwelt die Wissenschaft