wie ihn ein siegesstolzer Student etwa einem sogenannten Philister zuwirft, wenn dieser über Händel oder Duell-Angelegenheiten sein Wort abgeben will. Ohne den Wirt zu berücksichtigen, richtete der Schauspieler seine Worte wieder an den Edelmann, indem er so fortfuhr: »Es ist wahr, wer es in unserm Stande nicht lernt, Fassung zu gewinnen, unvermuteten Störungen, oder Kabalen und Grobheiten mit einer gewissen festen Unverschämtheit entgegenzutreten, der wird diese Tugenden niemals erringen. Mir und meinem Freunde hier ist aber das Talent angeboren, mit dergleichen Fährlichkeiten zu spielen, sie aufzusuchen und im wildesten Sturm und Drang den Kopf niemals zu verlieren.« Elsheim erwiderte: »Ich kann mich wohl, wenn ich es näher überlege, in Ihre Stimmung hineindenken. Geht es einem beim Reiten, wenn man ein wildes Pferd versucht, doch auf ähnliche Art. Indem man alle Kunst mit Bewusstsein anwendet, gerät man doch zugleich in einen Taumel und so wilde Unbesonnenheit, dass man sich der Gefahr erfreut, und vielleicht das wilde trotzige Ross nur durch diese Vereinigung von Tollheit und Vernunft gebändigt wird. Noch öfter tritt dieser lüsterne Zustand beim Fahren ein, wenn wir etwa vier kräftige Hengste regieren sollen. Es erwacht ein Heldensinn in diesem Taumel, und der Mensch ist nahe daran, die Gefahr herauszufordern. Vielleicht dass, wem von diesem verlockenden Reize gar nichts beiwohnt ein solcher nie etwas Großes tun kann, er müsste denn, wie Fabius der Zauderer, durch seine unerschütterliche Kälte Verderben und Gefahr von sich und den Seinigen abwenden. Wie heroisch braucht Egmont dies als Gleichnis, um seinen Lebenslauf zu bezeichnen: Wie von unsichtbaren Geistern gepeitscht, gehen die Sonnenpferde der Zeit mit unsers Schicksals leichtem Wagen durch, und uns bleibt nichts, als mutig gefasst die Zügel festzuhalten und bald rechts, bald links, vom Steine hier, vom Sturze da die Räder wegzulenken. Wohin es geht, wer weiß es? Erinnert man sich doch kaum, woher er kam.« - »Geehrter Herr«, sagte der Klavierspieler, »alles Talent ist nur auf diesem Wege möglich. Noch keiner hat das Wunder, was mit diesem Worte ausgesprochen ist, erklären, oder nur begreifen können. Das ist ja das Rätsel, wie sich in uns der Zustand, den wir unser Bewusstsein nennen, so innigst mit seinem anscheinenden Widerspruch, dem Nichtbewusstsein, vermählen kann, und aus dieser Vereinigung erst unser höchstes, seelenvollstes Leben hervorgehen muss. Ich habe mehr als einmal einer Anzahl trefflicher Sänger akkompagnieren müssen, plötzlich, unvorbereitet, nach einer Partitur einer Oper, die mir noch niemals vorgekommen war, und mein Auge und Sinn fand sich so schnell und sicher in dieser schwierigen Aufgabe zurecht, dass alles gelang, und dieses tollkühne Improvisieren zu den genussreichsten Stunden