und flehte; sie aber sah schweigend vor sich nieder, und erhob nur von Zeit zu Zeit das schöne Haupt, um mir scharf in die Augen zu sehen. Sie schien mit sich zu kämpfen, sie sann über Gedanken, die sie aussprechen möchte, sie stritt mit Gefühlen - endlich sagte sie; Und wenn ich nun an Ihre Liebe glaube, wie Sie es nennen? Die Leidenschaft nehme ich wahr; stammt diese aber auch aus jenem Quell, den ich Liebe nennen möchte? Und selbst, wenn ich Ihnen glauben wollte, kann ich Ihnen jetzt noch keine Antwort geben. Doch, ich erscheine Ihnen, der Sie ganz andere Forderungen machen, vielleicht altklug, oder gar prude. Nur eins versprechen Sie mir: sagen Sie von dem, was Sie jetzt so heftig zu wünschen scheinen, auch kein Wort Ihrer Mutter. Sie wissen wohl, welche Pläne sie einst hatte, und ich möchte in dieser Sache von niemand, auch dem Besten nicht, überredet werden. Vieles, ach! vieles muss überdies noch anders werden. - Mit diesen Worten entfernte sie sich, nachdem ich ihre Hand, die sie mir freundlich überließ, heftig geküsst hatte. Man wird oft schlimmer, indem man besser wird. Mein Gemüt war erhoben, ich hatte vieles in mir überwunden, was ich jetzt niedrig nennen musste, und doch nahm ich jetzt planvoll zur List meine Zuflucht, die ich noch vor wenigen Wochen würde verachtet haben. Ich suchte mir nämlich die kleine Dorotea zu gewinnen, und dieser ein unbedingtes Zutrauen einzuflößen. Das war bei dem guten lieben Kinde nicht gar schwer, obgleich sie mich oft gescholten, oder mir auch empfindliche Wahrheiten gesagt hatte; mein neckender Ton war ihr oft zuwider gewesen und sie hatte sehr oft geäußert, kein Mensch könne Zutrauen zu mir fassen. Wie es mir also gelang, sie recht treuherzig zu machen, entdeckte ich ihr den Zustand meines Gemüts, und da sie überzeugt war, es sei mein Ernst, versprach sie mir alle Hilfe, und wiederholte mir manche Gespräche, die sie mit Albertinen geführt hatte, und was diese an mir, den Leichtsinn, eine gewisse Frechheit, von der ich nichts wusste, und dergleichen mehr, aussetzte. Bei dieser Gelegenheit, Freund, wurde nun dein Lob in allen Tönen gesungen. Du warst Albertinen das Muster eines Mannes, diese Kindlichkeit fehlte mir, sowie diese Unschuld, eine gewisse Redlichkeit und dergleichen Haupttugenden mehr, so dass die Kleine auch früher den irrigen Glauben gehegt hatte, Albertine sei sterblich in dich verliebt. Jetzt teilte sie Emmrichs Meinung, dass sie von einer Leidenschaft gegen einen Undankbaren schon früher sei verzehrt worden, dessen Unart und Frivolität, dessen Verliebteit in Charlotten, sowie manche Tollheiten, sie