verstehen, so wie mir alles, was Sie mir jetzt gesagt haben, nicht fremd und unverständlich ist.« »Mag's sein!« rief der Alte nach einer Pause mit dem Ausdruck einer komischen Resignation; »was geht's mich am Ende an, wie Sie von mir denken mögen? Wir sind alle Toren und gebrechliche Menschen, stellen wir uns auch, wie wir wollen. Ich gestehe, dass ich oft im Mondschein, oder am Frühlingsabend auf meiner Geige phantasiere. Die Melodien kommen mir dann von selbst, und ich habe mich auch wohl darüber betroffen, dass ich Tränen vergießen musste. Vom Abt Vogler erzählt man, dass er sich zuweilen sein Fortepiano auf eine Bildergalerie hat nachtragen lassen, um in seinen Tönen den Ausdruck und die Bedeutung von schönen Gemälden wiederzugeben. Ich kann mir das wohl denken, obgleich man unter diesen Umständen und bei so vielen Vorbereitungen seiner Stimmung nicht gewiss sein kann. Ich möchte wenigstens vor Menschen und Zuhörern dergleichen nicht versuchen. - Das sind aber Phantasien der innerlichen Wollust und des Wohlgefallens. Doch ist der Mensch oft wie gepeinigt, er weiß nicht wovon; es quält ihn etwas, er weiß nicht was. Als wenn hier in diesem Teppich unter den geregelten Figuren krumme, schiefe, willkürliche unterliefen, die mit diesen Sternen, Kreuzen, Rosen und Vierecken in gar keinem Zusammenhang ständen, und man peinigte sich vergeblich und immer wieder umsonst, auch diese tollen, ausschweifenden Linien und Fratzen in jene wohltuende und besänftigende Tabelle mit aufgehen zu machen. Es gibt so Stunden in unserm Leben, die dies Gleichnis nur etwas erklärt.« »Gewiss!« sagte Leonhard, »und der geordnete Geist leidet vielleicht am stärksten von diesen Verstimmungen, wenn auch nur selten.« »Meinen Sie?« fuhr Joseph fort. Also denn Tollheit mit Tollheit erklärt und vertrieben, Beelzebub durch Satan. Warum sind wir denn auch so gebaut! Was freilich, noch weiter getrieben auch jeder Verbrecher für sich anführen könnte, wovor uns Gott bewahren möge. Hier muss nun freilich der christliche Glaube Hand anlegen, und eine starke. Es regieren oft die kleinen Teufelchen in uns, aberwitzige, unheimliche, und die lassen sich durch Narretei beschwören und vertreiben. Auf meinem Zimmer habe ich einen sehr hübschen Tisch, die Platte ist ganz von Masern. Noch ein Geschenk vom Großvater des jungen Herrn, also uralt. Sehen Sie, in solchem Maser laufen nun lauter tolle Linien ohne alle Vernunft und Ordnung kreuz und quer durcheinander. Die Tugend und der Wert einer solchen Maserplatte besteht eben darin, dass kein Verstand in der Kuriosität, sondern Willkür und Aberwitz herrschen. Doch warum beschreiben? Was werden Sie denn ein solch gemasertes Wesen nicht kennen? »