legte das Buch weg. Wilhelmi hatte nachgesehen und sagte: »Im Bilde stellen oft die unsichtbaren Lenker unsre Geschicke an beiden Seiten des Lebensweges auf. Erinnerst du dich noch unsrer Gespräche über den Wahn, ferner über die Verflüchtigung des Eigentums? Das alles ist an dir nun eingetroffen. Und wie viele andre Vorzeichen wurden uns gegeben! Schon vor Jahren, bei unsrem Ritterspiele machtest du hier den Herrn, und Kornelie wurde zur Königin des Festes ausgerufen. In unsern Geschichten«, fuhr er mit Erhebung fort, »spielt gleichsam der ganze Kampf alter und neuer Zeit, welcher noch nicht geschlichtet ist. Fürchterlich hatte der Adel an seiner eignen Wurzel gerüttelt, seine Laster brachten trostlose Zerrüttung in die Häuser der Bürger. Der dritte Stand, bewehrt mit seiner Waffe, dem Gelde, rächt sich durch einen kaltblütig geführten Vertilgungskrieg. Aber auch er erreicht sein Ziel nicht; aus all dem Streite, aus den Entladungen der unterirdischen Minen, welche aristokratische Lüste und plebejische Habsucht gegeneinander getrieben, aus dem Konflikte des Geheimen und Bekannten, aus der Verwirrung der Gesetze und Rechte entspringen dritte, fremdartige Kombinationen, an welche niemand unter den handelnden Personen dachte. Das Erbe des Feudalismus und der Industrie fällt endlich einem zu, der beiden Ständen angehört und keinem.« »Und der diesen rechtmäßig-unrechtmässigen Erwerb nimmer mit Ruhe um sich gelagert sehen würde, hätte er sich mit seinem Gewissen nicht wenigstens abzufinden vermocht«, sagte Hermann. »Dir, meinem Getreusten will ich hierüber meine Entschließungen eröffnen, damit dir das Bild des Freundes rein und unentstellt bleibe. Ich fühle die ganze Zweideutigkeit meiner Doppelstellung. Lass dir also sagen, dass ich willens bin, das, was sie mein nennen, und was mir doch eigentlich nicht gehört, nur in dem Sinne, von dem du einst redetest, nämlich als Depositar, zu besitzen, immer mit dem Gedanken, dass der Tag der Abtretung kommen könne, wo denn die Rechnungslegung leicht sein wird, wenn der Verwalter für sich nichts beiseite geschafft hat.« »Es klingt gut«, versetzte Wilhelmi, »schwer wird es mir aber, dabei an etwas Bestimmtes zu denken.« »Vor allen Dingen sollen die Fabriken eingehn und die Ländereien dem Ackerbau zurückgegeben werden. Jene Anstalten, künstliche Bedürfnisse künstlich zu befriedigen, erscheinen mir geradezu verderblich und schlecht. Die Erde gehört dem Pfluge, dem Sonnenscheine und Regen, welcher das Samenkorn entfaltet, der fleißigen, einfach-arbeitenden Hand. Mit Sturmesschnelligkeit eilt die Gegenwart einem trocknen Mechanismus zu; wir können ihren Lauf nicht hemmen, sind aber nicht zu schelten, wenn wir für uns und die Unsrigen ein grünes Plätzchen abzäunen, und diese Insel so lange als möglich gegen den Sturz der vorbeirauschenden industriellen Wogen befestigen