katastrierte den Geist. Was ist von allem dem übriggeblieben? Die französische Tronverändrung hat abermals das Antlitz der Welt verändert, und sowenig ich in weichliche Klagen über dieses Ereignis und seine Folgen auszubrechen geneigt bin, so muss ich doch sagen, dass die Jahre, welche ihr vorangingen, an geistigem Gehalt und an einer gewissen Dichtigkeit des Daseins die Gegenwart übertrafen. Man könnte Ihnen also Dank wissen, dass Sie es unternommen, ein Zeugnis jener verschwundnen Zeit aufzustellen. Aber zwei Fragen möchte ich an Sie richten. Wenn Sie die Neigung so unwiderstehlich zur Betrachtung der menschlichen Schicksale treibt, warum schreiben Sie nicht lieber Geschichte selbst? Da hätten Sie die volle Traube am Stocke vor sich, und könnten uns einen gesunden reinen Wein zubereiten, während Sie in der Sphäre, welche Sie wählten, notwendig mischen müssen, und also auch nur einen Zwittertrank hervorbringen. Die zweite Frage ist: Was soll das Publikum mit diesen Büchern anfangen? Die Hauptperson wird die Menschen schwerlich interessieren, da sie keine »Tendenzen« hat. Und was ist daran wichtig, dass ein Bürger mit einem Fürsten über dessen Güter prozessierte, dass wir ein Karoussel veranstalteten, dass es in den Häusern des Mittelstandes noch hin und wieder häuslich herging, dass an unsrem Sitze der Intelligenz allerhand Liebhabereien und Teoriewirtschaften getrieben wurden? Meine Meinung über den Wert dieser Zustände habe ich oben angedeutet, aber sie ist nicht die Meinung der Menge. Sie wird auf solche Geringfügigkeiten missschätzend herabsehn. N.S. Auf einige Fehler: ... quas aut incuria fudit, Aut humana parum cavit natura ... muss ich Sie doch aufmerksam machen. Hermann will als Neunjähriger die Einverleibung seiner Vaterstadt Bremen in das französische Kaiserreich erlebt, und als Siebenzehnjähriger in den Donnern von Lützen gestanden haben. Da aber jenes Ereignis im Jahre 1810 stattfand, und die Schlacht von Lützen nur drei Jahre später vorfiel, so widerspricht seine Rede aller Chronologie. Der Jude aus Hameln, der falsche Demagoge, behauptet, von neununddreissig Tyrannen verfolgt zu werden, was nach der deutschen Verfassung völlig unmöglich ist. Der Amtmann vom Falkenstein tritt schon im ersten Teile als Jagdgenosse Hermanns auf, und doch wird im zweiten so getan, als ob der Held erst bei dem Karoussel die Bekanntschaft dieses Mannes gemacht habe. Die Interpunktion und Ortographie steht nicht recht fest. Es sind mir sogar Grammaticalia aufgestoßen, die freilich wohl mehr dem Abschreiber zur Last fallen; denn von Ihnen setze ich voraus, dass Sie ihren Schulkursus durchgemacht haben. Ob aber alle Leser, und besonders diejenigen, welche sich Kritiker nennen, diesen guten Glauben teilen werden, steht dahin. IV. Der Herausgeber an den Arzt Ich bin an der Elbe geboren, und erinnre mich aus meinen Kinderjahren einer großen Überschwemmung