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»Gewiss«, versetzte jener, »und wenn uns dieser Mangel namentlich am Rheine,
unangenehm berührt, so können wir dagegen dem höheren Gemeingefühle der dortigen
Menschen Achtung nicht versagen. Die Angelegenheiten der Stadt, des Kreises, der
Provinz sind dort wirklich mehr zugleich auch Sache der Einzelnen, als bei uns.
Man kollektiert, petitioniert, stiftet Vereine aller Art, ein jeder sucht, wo
irgend möglich, in das Ganze mit einzugreifen. Darum hat auch das französische
Wesen, wo es dort noch besteht, tiefere Wurzeln geschlagen, als mancher hier
sich denkt. Denn, man sage über dasselbe, was man will, es schmeichelt der
Eitelkeit, der persönlichen Selbstschätzung, kurz jenen Eigenschaften, welche so
nahe mit dem politischen Streben verwandt sind. Unsre Einrichtungen sind dagegen
alle auf eine gewisse Selbstentäusserung berechnet, sie sind patriarchalischer
Natur und müssen uns ehrwürdig sein. Für die Anwohner des großen Stroms sind sie
aber keinesweges gemacht, sie würden ihnen schwach und lax, und dann doch auch
wieder hart und quälend erscheinen. Dass ich übrigens keinesweges jene
Landgebiete auf Kosten unsrer Provinzen loben will, muss ich ausdrücklich
hinzufügen. Mich verblendet kein Advokaten-und Rednergeschwätz, und mir ist,
während ich mich dort aufhielt, das seichte, oberflächliche, unruhige Wesen, der
Hang zum Verleumden und Verkleinern, die Geistesdürre und die Gemütskälte nicht
entgangen, wodurch man sich dort, wie überall, wo eine politische Regung
herrscht, angewidert fühlt. Nur sage ich nochmals: Sie sind nicht, wie wir,
warum sollen sie so scheinen? Saladins Wort, es sei nicht nötig:
Dass allen Bäumen eine Rinde wachse!
passt auf die Völker noch in einem weit höheren Grade, als auf die einzelnen
Menschen.«
Man versagte dieser ganzen Auseinandersetzung den Beifall nicht, doch
vereinigten sich auch die bedeutendsten Stimmen in der Überzeugung, dass, wenn
dem auch so sei, die Dinge nicht so bleiben könnten, da die neueren
Regierungsgrundsätze durchaus eine gewisse innere Einheit der verschiedenen
Bestandteile des Staats verlangten.
Ein Mann von gemässigter Denkungsart schlug einen Mittelweg vor. »Die
Revolution«, sagte er, »hat eigentlich die jetzige Gestalt der dortigen
Distrikte bestimmt, was uns entgegenzustehn scheint, sind doch nur ihre
Erzeugnisse. Ich sage scheint, denn in der Wirklichkeit möchten die Kontraste
nicht so unvereinbar sein. Wir haben während der schlimmen Jahre, wo es galt,
jedermann auf seine Füße zu stellen, damit er, wenn der Tag der Entscheidung
käme, Lust hätte, sich totschiessen zu lassen, auch unsererseits revolutioniert,
wenngleich auf eine stille gesetzliche Weise. Wie nun bei jenen vielleicht ein
Schritt zu weit getan ist, so könnten wir noch einige vorwärts tun. Wir könnten
den Besitz der neuen Provinzen zu einer