dieses widerliche Gären endlich in lauter grauem Staube sich beruhigte. Der Domherr ging im Zimmer auf und nieder und sagte: »Possen! Wer an Fortdauer glaubt, lässt sich durch dergleichen nicht schrecken.« Der Arzt versetzte hierauf, dass der Glaube und die Wissenschaft allerdings zwei gesonderte Gebiete beherrschten, wovon nur das eine den Vorzug habe, dass man wisse, wo es liege, während dies von dem andern sich nicht so ganz behaupten lasse. Er wollte hierauf das Gespräch abbrechen, und sich entfernen, womit aber dem Domherrn durchaus nicht gedient war. Dieser hielt ihn vielmehr mit schlecht verhüllter Ängstlichkeit zurück, und rief: »Ihr seid Materialist, Doktor, ich weiß das, aber ein innerstes Gefühl sagt dem Menschen, dass seine Seele etwas Grundverschiednes sei von dem Zucken der Muskeln und dem Umlaufe des Bluts. Sprecht Eure Zweifel nur aus; es ist mir nichts unerträglicher, als dieses Halten hinter dem Berge.« »Man hat«, sagte der Arzt, »auch lange von den vier Elementen gesprochen, und nun wissen wir denn doch, dass diese für Grundstoffe gehaltnen Dinge aus verschiedenen andern bestehn, welche erst zusammengefügt das bilden, was wir Erde, Wasser, Luft und Feuer nennen. Und wer weiß, wie weit die Chemie die Scheidung noch treiben kann! Hievon die Anwendung auf die menschliche Seele zu machen, scheint mir leicht. Zum Beweise ihrer ewigen Dauer ist viel von ihrer Einfachheit gesprochen worden. dabei wurde nur vergessen, dass derselbe Mensch unter verschiedenen Umständen oft als ein ganz andrer erscheint, dass Grundsätze, Meinungen und Überzeugungen in demselben Individuo einander widersprechen, und dass daher in dem Dinge, welchem wir so gern eine vornehme Selbständigkeit beilegen möchten, manche gar nicht so notwendig zueinander gehörende Potenzen wirksam sind, die ja auch die empirische Psychologie längst aufgezählt und nachgewiesen hat.« »Also sollte sich die Seele bei dem Tode gewissermaßen in Verstand, Vernunft und Urteilskraft zerlegen?« fragte der Domherr, froh, seinen Gegner zum Absurden geführt zu haben. Der Arzt versetzte: »Wie die Auflösung des Seelischen vonstatten gehe, weiß ich nicht, ich habe es hier nur mit einem Irrtume zu tun. Sind Sie derselbe noch, der Sie als Kind und Jüngling waren? Entschwanden nicht ganze Regionen von Erinnrungen und Empfindungen aus Ihrem Geiste? Wechselten nicht Liebe und Neigung in Ihnen? Wollen Sie noch, was Sie wollten? Können Sie einen einzigen Moment in sich nachweisen, wo Ihre Seele anders als zeitlich, räumlich, hinfällig, leiblich dachte und fühlte? Welchen Teil, welche Stufe dieses Etwas wollen Sie also für jene Ewigkeit retten? Denn Sie werden immer etwas aufgeben müssen, entweder die Vernunft, wenn Sie das, was im Herzen klopfte,