Konnt' es abergläubigere und bigottere Ateisten geben, als
Chaumette, Anacharsis Kloots und Momoro waren!
Der Ateismus eine Religion! Eine Ironie, die man satanisch nennen möchte! In
einer Reisebeschreibung las ich, dass einer der ersten Gottesleugner der
Revolution, Billaud-Varennes, nachdem er auf seiner Flucht erst von der Dressur
azorischer Papageien gelebt hatte, dann in Amerika Priester wurde, unter
Indianer kam und zuletzt von ihnen als göttliches Wesen verehrt wurde, er, der
Gott geleugnet hatte!
Diese satanischen Ironien reizen mich. Sollte es möglich sein, dass es noch einst
im Himmel einen Gottesdienst gibt! Das Christentum (man lese nur die Offenbarung
Johannis) gefällt sich in diesem lächerlichen Widerspruch, als wenn Gott vor
sich selber Weihrauch streuen müsse. Er etabliert im Himmel eine vollendete
Kirche mit Chören der Seligen und Altären, auf welchen die Cherubim tronen.
Goethe benutzte diese Maschinerie für die Kanonisierung seines Faust.
Aber was jag' ich nach solchen Bemerkungen! Sie haben freilich lindernde
Kraft, aber ich schäme mich, aus meinem Schmerze Tatsachen heraufzuwühlen und
mich selbst als einen Gegenstand meiner Leiden zu betrachten.
Wir sollen Gott fürchten und lieben! Dies eine Gebot untergräbt meine Ruhe; denn
ich kann es weder befolgen noch mich anklagen deshalb, weil ich es nicht tue.
Wir sollen Gott zürnen, heißt das Gebot meiner Weltansicht, welche eine
unglückliche ist und freilich sich nicht damit zufriedengibt, dass jährlich vier
Jahreszeiten kommen und man im Frühjahr Erdbeeren isst, welche mit Zucker und
Milch ein so vortreffliches Surrogat der Vanille sind. Es ist im Grunde nicht
viel, was wir besitzen auf Erden. Wir werden geboren oft in den elendesten
Verhältnissen. Wir kriechen tierisch auf dem Boden und werden nur allmählich
aufgerichtet, wie Schlinggewächs an das Spalier der Bildung. Not, Mühsal
verfolgt uns überall; selten ein Genuss, der nicht durch eine Anstrengung erkauft
ist. Wir haben so viel mit der Materie zu kämpfen. Wir wälzen einen Stein wie
Sisyphus den Berg hinauf; warum müssen wir es tun? Der Fluch, nicht der Segen
der Götter begleitet uns. Warum sind wir? Oh, könnt' ich mir irgendeinen
erweislichen Grund vorstellen, warum diese Planeten im Weltsysteme irren, warum
wir auf unserm Planeten so armselig und hilflos kriechen müssen? Was bezweckte
Gott damit? War dies eine Grille von ihm? Was kommt darauf an, ob das Gute oder
Böse in der Weltordnung produziert wird? Ich bin so unglücklich. Ich weiß
hierauf keine Antwort.
Die Fähigkeit, Fragen aufzuwerfen, ließ Gott bei der Schöpfung oder bei der
ewigen Schöpfung, bei unsrer Geburt, ohne die entsprechende Fähigkeit, auch
Antwort darauf zu geben. Diese Halbheit einer Gabe ist so feindselig. Gott
duldete es, dass der Glaube