Künsten das Geheimnis der
Dreifaltigkeit sich offenbart, wo die Natur einen Leib annimmt, den der Geist
durchdringt und der mit dem Göttlichen in Verbindung ist; so ist es in der
Musik, als wenn die Natur sich hier nicht ins sinnlich Wahrnehmbare herabneige,
sondern dass sie die Sinne reizt, dass sie sich mitempfinden ins Überirdische.
Wenn man von einem Satz in der Musik spricht und wie der durchgeführt ist,
oder von der Begleitung eines Instruments und von dem Verstand, mit dem es
behandelt ist, da meine ich grade das Gegenteil, nämlich, dass der Satz den
Musiker durchführt, dass der Satz sich so oft aufstellt, sich entwickelt, sich
konzentriert, bis der Geist sich ganz in ihn gefügt hat. Und das tut wohl in der
Musik; ja alles, was den Erdenleib verleugnet, das tut wohl. Ich habe einen sehr
ausgezeichneten Musiker zum Lehrer, wenn ich den frage, warum? - so hat er nie
ein »Weil« zur Antwort, und er muss gestehen, alles in der Musik ist himmlisches
Gesetz, und dies überzeugt mich noch mehr, dass in der Berührung zwischen dem
Göttlichen und Menschlichen keine Erläuterung stattfinde. Ich habe hier eine
freundliche Bekanntschaft mit einer sehr musikalischen Natur; wir sind oft
zusammen in der Oper, da macht sie mich aufmerksam auf die einzelnen Teile, auf
das Durchführen eines Satzes, auf das Einwirken der Instrumente; da bin ich denn
ganz perplex, wenn ich solchen Bemerkungen nachgehe; das Element der Musik, in
dem ich mich aufgenommen fühlte, stößt mich aus, und dafür erkenne ich ein
gemachtes, dekoriertes, mit Geschmack behandeltes Thema. Ich bin nicht in einer
Welt, die mich aus der Finsternis ins Licht geboren werden lässt, wie damals in
Offenbach, wo ich in der Großmutter Garten auf grünem Rasen lag und in den
sonnigen blauen Himmel sah, während im Nachbarsgarten Onkel Bernhards Kapelle
die ganze Luft durchströmte und ich nichts wusste, nichts wollte, als meine Sinne
der Musik vertrauen. Damals hatte ich kein Urteil, ich hörte keine Melodien
heraus, es war kein Schmachten, kein Begeistern für Musik, ich fühlte mich in
ihr, wie der Fisch sich im Wasser fühlt. - Wenn ich gefragt würde, ob ich damals
zugehört habe, so könnte ich's nicht eigentlich wissen, es war nicht Zuhören, es
war Sein in der Musik; ich war viel zu tief versunken, als dass ich gehört hätte
auf das, was ich vernahm.
Ich hin dumm, Freund, ich kann nicht sagen, was ich weiß. Gewiss, Du würdest
mir Recht geben, wenn ich mich deutlich aussprechen könnte, und auf andre Weise
wirst Du am wenigsten sie verstehen lernen. - Verstehen, wie der